«Jonas» – der Chor des Bayerischen Rundfunks singt geistliche Musik

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Jens Berger

Ausgabe

Chorzeit Online

Der Chor des Baye­ri­schen Rund­funks reprä­sen­tiert heu­te Bay­erns pro­fes­sio­nel­len Chor­ge­sang wie sei­ner­zeit Orlan­do di Las­sos Her­zog­li­che Kapel­le. Wer sonst soll­te also jene Stü­cke sin­gen, die Anfang und Ende von Las­sos Münch­ner Zeit mar­kie­ren? Fast vier­zig Jah­re lie­gen zwi­schen dem chro­ma­tisch und geis­tig ent­rück­ten Stil der «Pro­phe­tiae Sibyl­larum» und den Madri­ga­len der «Lagrime di San Pie­tro». Eine apar­te Run­dung erfährt das Pro­gramm durch Mon­te­ver­dis berühm­tes «Lamen­to d’Arianna» in der sel­te­ner gehör­ten Madri­gal­fas­sung.

Meister des oratorio latino: Giacomo Carissimi

Gia­co­mo Caris­si­mi war als jesui­ti­scher Pries­ter nicht nur bes­tens im Bil­de, son­dern voll­blü­ti­ger Eife­rer für Katho­li­sches als Kapell­meis­ter an Sant’Apollinare in Rom. Im Glau­ben und Han­deln streng, herrscht in sei­nen Wer­ken doch gro­ße Frei­heit. Er dach­te an sein Publi­kum, in die­sem Fall Ange­hö­ri­ge der, vor allem in der Fas­ten­zeit, unter­hal­tungs­be­dürf­ti­gen römi­schen Ober­schicht. Für sie schrieb er mora­lisch auf­bau­en­de, reiz­vol­le Motet­ten-Ora­to­ri­en. Dem ein­fa­chen, frei nach­ge­dich­te­ten Latein konn­te man sei­ner­zeit gut fol­gen; der leben­di­ge Rezi­ta­tiv­stil trägt dazu bei. So begrün­de­te Caris­si­mi ein erfolg­rei­ches Gen­re, das Sakra­les dra­ma­ti­siert.

Wellen auf dem offenen Meer
© Kris­ti­na Chu­pri­na

Bühne frei für den Chor: das Oratorium «Jonas»

Caris­si­mis «Jonas»-Oratorium erzählt vor allem vom Beginn der Rei­se. Es wird rasant, bunt, emo­tio­nal. Das Aus­mu­si­zie­ren des Mee­res­sturms wird end­lich ein­mal dem (Doppel-)Chor über­las­sen; in ande­ren Ver­to­nun­gen dür­fen sich hier meist die Instru­men­te aus­to­ben. Der BR-Chor, aus dem auch die Soli bestrit­ten wer­den, macht das vor­züg­lich und stil­echt. So lässt der Chor, tat­kräf­tig an die Hand genom­men von Gio­van­ni Anto­ni­ni und sei­nem Kam­mer­or­ches­ter Il Giar­di­no Armo­ni­co, ver­ges­sen, dass er sich auch bei Mahler wohl­fühlt.

Portrait von Jens Berger

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Jens Berger

Der Autor ist Verfasser des Buchs «111 Gründe, Klassische Musik zu lieben». Er arbeitete als Musikdramaturg für Festivals, Orchester und Chöre und lebt als Redakteur und Autor in München. Dort schreibt er über Klassische Musik und Wissenschaftsthemen und singt Tenor im Chor.

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