Gefühl und Leidenschaft: der Johann-Strauss-Chor Leipzig

Autor:in

Sabine Näher

Ausgabe

N° 132 | September 2026

Am 15. Novem­ber 2009 trat ein Groß­teil der Mit­glie­der des Leip­zi­ger Ope­ret­ten­ball-Chors erst­mals in Eigen­re­gie und unter neu­em Namen auf: Der Johann-Strauss-Chor Leip­zig war gebo­ren. Von den Grün­dungs­mit­glie­dern sind noch vier dabei, dar­un­ter die Sopra­nis­tin Katha­ri­na Göbel und Klaus-Die­ter Klitzing, ein Bari­ton, der auch als Tenor zum Ein­satz kommt. Seit 2011 gehört Heid­run Bae­cke dazu, die zwi­schen 2. Sopran und 1. Alt wech­selt. Das mun­te­re Trio gibt bei Kaf­fee, Kuchen und bes­ter Lau­ne Aus­kunft. Göbel und Bae­cke lern­ten sich schon im Gesangs­stu­di­um an der Leip­zi­ger Musik­hoch­schu­le ken­nen, das sie aus ver­schie­de­nen Grün­den bei­de nicht been­den konn­ten bezie­hungs­wei­se durf­ten. Jahr­zehn­te spä­ter tra­fen sie sich hier im Chor wie­der. Stu­dier­te Sänger:innen sind nur die­se bei­den, wes­halb sie sich auch um die Stimm­bil­dung küm­mern. Ver­sier­te Chorsänger:innen mit reich­lich Erfah­rung sind aber alle im Ensem­ble. Eine Chor­lei­tung gibt es mitt­ler­wei­le nicht mehr, was inso­fern kein Pro­blem ist, als die Begleit­mu­sik auf der Büh­ne vom Band kommt und das Kern­re­per­toire allen bes­tens bekannt ist. Zum Ein­stu­die­ren neu­er Num­mern, deren pass­ge­nau­er Bear­bei­tung für sei­ne Beset­zung und für die Cho­reo­gra­fie enga­giert der Chor bei Bedarf Pro­fis. Die Auf­trit­te lie­gen dann ganz in den Hän­den der Sän­ge­rin­nen und Sän­ger.

«Die Nach­barn fra­gen schon, wann singt ihr denn wie­der, und sit­zen dann lau­schend hin­ter der Hecke.»

Der Aus­tausch mit dem Publi­kum, die fröh­li­che Atmo­sphä­re und die hei­te­re Leich­tig­keit der Musik begeis­tern alle. «Auf der Büh­ne zu agie­ren und die Leu­te damit direkt zu errei­chen, macht so viel Spaß», betont Heid­run Bae­cke, die sich in ihren frü­he­ren Chö­ren, «wo alle mit Noten in der Hand daste­hen und kei­ner zum Diri­gen­ten schaut», nie am rich­ti­gen Platz fühl­te. Für Katha­ri­na Göbel sind es immer die schöns­ten Erleb­nis­se, wenn der Chor ab und zu bei ihr zu Hau­se probt. «Die Nach­barn fra­gen schon, wann singt ihr denn wie­der, und sit­zen dann lau­schend hin­ter der Hecke.» Klaus-Die­ter Klitzing sieht es als «Schuld mei­ner Mut­ter», dass er heu­te in einem Ope­ret­ten­en­sem­ble mit­wirkt: «Sie woll­te eigent­lich ger­ne zum Thea­ter und hat den gan­zen Tag vor sich hin geträl­lert. Und irgend­wann habe ich halt mit­ge­sun­gen …»

Die acht Damen und drei Her­ren im Alter zwi­schen Anfang Fünf­zig bis Ende Sieb­zig tre­ten bei ihrem Stan­dard­pro­gramm in Abend­ro­be auf, also mit Ball­kleid und Smo­king, aber auch in Dirndl und Leder­ho­se, wenn es zum Anlass passt. Sie wer­den zu pri­va­ten Fei­ern wie run­den Geburts­ta­gen gebucht, sind dar­über hin­aus immer ger­ne gese­hen und gehört – in etli­chen Alten­hei­men oder bei Stadt­fes­ten, aber auch auf der See­büh­ne am Bie­der­mei­er­strand Hay­na («die größ­te über­dach­te See­büh­ne in ganz Deutsch­land», betont Bae­cke) oder auf der «Bäder-Tour», also bei Frei­luft-Kur­kon­zer­ten von Bad Dür­ren­berg über Bad Lau­sick bis Bad Lie­ben­wer­da. Bis zu 22 Auf­trit­te im Jahr absol­viert der Chor; das Reper­toire ent­hält neben Straus­s’ Trit­sch-Tratsch-Pol­ka oder Radetz­ky-Marsch Aus­zü­ge aus der «Fle­der­maus» wie aus Carl Zel­lers «Vogel­händ­ler» oder Emme­rich Kál­máns «Csár­dás­fürs­tin». In die Oper geht es mit Mozarts «Zau­ber­flö­te», Ver­dis Trink­lied aus «La Tra­via­ta» oder dem Gefan­ge­nen­chor aus «Nabuc­co». Film­mu­si­ken und Ever­greens der Drei­ßi­ger- bis Sech­zi­ger­jah­re ergän­zen das Ange­bot. Um die 70 Num­mern müs­sen alle drauf­ha­ben – aus­wen­dig natür­lich, denn es wird ja auch gespielt und getanzt.

«Wenn die Leu­te hin­ter­her sagen: ‹Das war so schön, kom­men Sie bald wie­der!› – das ist ein­fach wun­der­bar.»

In den Beru­fen der Sänger:innen spie­gelt sich eine brei­te Palet­te von der Biblio­the­ka­rin und der Ver­si­che­rungs­an­ge­stell­ten über die Erzie­he­rin und den Sozi­al­ar­bei­ter bis zum Inge­nieur und zur Ver­käu­fe­rin wider. Die Zeit für das auf­wän­di­ge Hob­by neh­men sich alle ger­ne. «Wenn die Leu­te hin­ter­her zu uns kom­men und strah­lend sagen: ‹Das war so schön, kom­men Sie bald wie­der!› – das ist ein­fach wun­der­bar», sagt Heid­run Bae­cke und fügt an, sie inves­tie­re hier «Gefühl und Lei­den­schaft». Katha­ri­na Göbel stimmt ihr begeis­tert zu: «Das hast du per­fekt aus­ge­drückt!»

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen
 
Chor­na­me: Johann-Strauss-Chor
Ort/Landkreis: Leip­zig
Chor­lei­tung: kei­ne
Gesun­ge­ne Spra­che: Deutsch und Eng­lisch
Mit­glie­der: 8 Sän­ge­rin­nen, 3 Sän­ger
Pro­ben: Mitt­woch, 18 Uhr, Begeg­nungs­zen­trum Delitz­scher Land­stra­ße 38, 04158 Leip­zig
Nächs­te Auf­füh­run­gen: 26.09. Apold­aer Zwie­bel­markt; 09.12. Weih­nachts­kon­zert, ASB Probst­heida «Am Sil­ber­see»; 13.12. Weih­nachts­kon­zert im SAH «Gol­de­ner Herbst»
Web­site: www. johann-strauss-chor.de

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Sabine Näher

Sabine Näher lebt und arbeitet als freie Kulturjournalistin für Hörfunk und Print in Leipzig und Oberbayern. Sie hat Bücher zum Schubert- und Schumann-Lied sowie zum 800. Geburtstag des Thomanerchors veröffentlicht.

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