«Einfach mal mitmachen»: Ensembles bei der «Woche der offenen Chöre»

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N° 118 | September 2024

Wir hat­ten mit fünf oder acht Leu­ten gerech­net. Zur Pro­be gekom­men sind letzt­end­lich 16!» Für den A‑cap­pel­la-Chor Voca­li­pur war die «Woche der offe­nen Chö­re» 2023 ein vol­ler Erfolg. Nach­dem der Säch­si­sche Chor­ver­band sei­ne Chö­re schon mehr­mals für die Akti­on begeis­tern konn­te, rief der Deut­sche Chor­ver­band im ver­gan­ge­nen Jahr erst­mals bun­des­weit alle Chö­re dazu auf, neue Leu­te zum Mit­sin­gen ein­zu­la­den.

«Blubberschlauch» direkt nach den Ferien – sieben neue Mitglieder für Vocalipur

Voca­li­pur aus Frey­stadt in der Ober­pfalz teil­te nach der Covid-19-Pan­de­mie das Schick­sal vie­ler Chö­re: Mit­glie­der­schwund. «Wir sind ein sehr länd­li­cher Chor und Chor­ge­sang ist bei uns nicht so ver­brei­tet, erst recht im Rock-Pop-Bereich. Coro­na hat uns zurück­ge­wor­fen, außer­dem hat­ten wir zur glei­chen Zeit nach fast 20 Jah­ren einen Chor­lei­ter­wech­sel», berich­tet Bri­git­te Strö­bel, Sän­ge­rin und ers­te Vor­sit­zen­de bei Voca­li­pur. Die «Woche der offe­nen Chö­re» sei also genau zur rich­ti­gen Zeit gekom­men, auch wenn der Akti­ons­zeit­raum im Sep­tem­ber für den Chor nicht ide­al gewe­sen sei. «Es war direkt die ers­te Pro­be nach den baye­ri­schen Feri­en. Aber wir haben gesagt, wir machen das trotz­dem!»

Eine gro­ße Wer­be­ak­ti­on konn­te wäh­rend der Feri­en nicht geplant wer­den, statt­des­sen kün­dig­te Voca­li­pur die offe­ne Pro­be über Social Media und den Whats­App-Sta­tus der Sänger:innen an. Irgend­wie sei­en alle ein biss­chen über­rascht gewe­sen, dass so vie­le Leu­te auf­tauch­ten, sagt Bri­git­te Strö­bel, denn das sei nicht selbst­ver­ständ­lich: «Unse­re Chor­lei­te­rin hat noch zwei ande­re Chö­re und bei dem einen war tat­säch­lich nie­mand da.»

Die vie­len Schnup­per­gäs­te wur­den bei Voca­li­pur mit einem moder­nen Pro­gramm emp­fan­gen, das schnel­le Erfolgs­er­leb­nis­se garan­tiert. Außer­dem mach­ten sie Bekannt­schaft mit dem soge­nann­ten «Blub­ber­schlauch» und sei­ner Anwen­dung. Der Sili­kon­schlauch, der auch in der Stimm­the­ra­pie zum Ein­satz kommt, dient den Chor­mit­glie­dern in jeder Pro­be zum Auf­wär­men vor dem Sin­gen. Bei den Neu­en kam das offen­bar gut an. Von den 16 Inter­es­sier­ten sin­gen heu­te, ein Jahr spä­ter, immer noch sie­ben mit, sodass der Chor nun wie­der eine Stär­ke von etwa 40 Sänger:innen hat.

Catering für einen Interessenten – 100-prozentiger Erfolg beim Kammerchor Chorisma

Wie nach­hal­tig eine offe­ne Chor­pro­be auch dann sein kann, wenn nicht so vie­le Besucher:innen kom­men, zeigt die Erfah­rung des Kam­mer­chors Cho­ris­ma aus Neu­rup­pin in Bran­den­burg: «Wir hat­ten bei unse­rer Pro­be nur einen Gast. Der war aber eine der begehr­ten Män­ner­stim­men, blieb danach und singt bis heu­te bei uns. Unse­re Tref­fer­quo­te war 100 Pro­zent!», freut sich Nad­ja Semm­ler, Sopra­nis­tin und Vor­stands­mit­glied bei Cho­ris­ma. Dass der Schnup­per­gast sich im Chor gleich pudel­wohl fühl­te, ist kein Wun­der: Alle Chor­mit­glie­der hat­ten klei­ne Lecke­rei­en dabei und ein Will­kom­mens-Cate­ring zusam­men­ge­stellt, außer­dem wur­den aus­rei­chend Noten für poten­zi­el­le Mitsänger:innen vor­be­rei­tet.

Und auch bei der Wer­bung für die offe­ne Pro­be im Vor­feld hat­te Cho­ris­ma sich ins Zeug gelegt und mit Pla­ka­ten, über Online-Kanä­le und in der regio­na­len Pres­se auf sich auf­merk­sam gemacht. Dass letzt­end­lich trotz­dem nicht mehr Gäs­te kamen, kön­ne auch dar­an gele­gen haben, dass vie­le poten­zi­el­le Sing-Inter­es­sier­te zu Beginn des neu­en Schul­jah­res in Bran­den­burg stark durch Eltern­ver­samm­lun­gen und ande­re Sit­zun­gen ein­ge­bun­den gewe­sen sei­en, meint Nad­ja Semm­ler. «Nun ist die Akti­on ja im Novem­ber und die­se gan­zen offi­zi­el­len Ter­mi­ne sind vor­bei, da wol­len wir wie­der dabei sein! Ich glau­be, unse­re Vor­be­rei­tung war gut – viel­leicht spre­chen wir die­ses Mal mehr Leu­te an.»

Die «Woche der offenen Chöre» als Impuls für Cantamus Gießen

Für Can­ta­mus Gie­ßen war die «Woche der offe­nen Chö­re» eine gute Gele­gen­heit, sich nach einer Umbruch­pha­se wie­der bewusst als «offe­ner» Chor zu prä­sen­tie­ren. Manu­el Hein­rich, Tenor und Beauf­trag­ter für die Öffent­lich­keits­ar­beit bei Can­ta­mus: «Vor dem Deut­schen Chor­wett­be­werb hat die Chor­lei­tung bei uns gewech­selt und wir hat­ten eini­ge Din­ge neu sor­tiert. Nun woll­ten wir zei­gen, dass wir wie­der bereit sind für Neu­es und für Neue. Die Akti­on kam da wie geru­fen!» Und offen­bar genau zur rich­ti­gen Zeit, denn bei der Schnup­per­pro­be des jun­gen, gemisch­ten Chors aus Hes­sen mit damals 35 Mit­glie­dern erschie­nen 15 Inter­es­sier­te. «Das hat uns wirk­lich völ­lig geflasht!» Offen­bar hät­ten eini­ge den Chor schon län­ger auf dem Schirm gehabt und genau auf solch ein Signal gewar­tet, sagt Manu­el Hein­rich.

Gera­de wegen des gro­ßen Erfolgs im letz­ten Jahr macht Can­ta­mus bei der «Woche der offe­nen Chö­re» die­ses Jahr nicht mit: Vie­le der dama­li­gen Pro­ben­gäs­te sind heu­te fes­ter Bestand­teil des Chors, dar­un­ter auch die vor weni­gen Wochen frisch gewähl­te zwei­te Vor­sit­zen­de. «Wir sind aktu­ell so gut besetzt, dass wir durch die Akti­on Leu­te anzie­hen wür­den, die dann im schlimms­ten Fall gar nicht mit­sin­gen kön­nen. Das wäre wirk­lich scha­de.»

Eine Umfra­ge, die Can­ta­mus Gie­ßen bei sei­ner Schnup­per­pro­be durch­führ­te, gab Auf­schluss dar­über, wie die Besucher:innen von der Akti­on erfah­ren hat­ten: vor allem über die Zei­tung, die sozia­len Medi­en und Mund­pro­pa­gan­da. «Wir haben qua­si alle Kanä­le, die es gibt, für die­ses Event bespielt», sagt Manu­el Hein­rich und emp­fiehlt das auch den Chö­ren, die im Novem­ber zum ers­ten Mal bei der «Woche der offe­nen Chö­re» dabei sein wer­den. Wel­che Tipps haben die bei­den ande­ren alten Hasen? «Gut vor­be­rei­tet sein», sagt Cho­ris­ma-Sän­ge­rin Nad­ja Semm­ler – und: fle­xi­bel blei­ben! «Wir haben unse­ren nor­ma­len Pro­ben­rhyth­mus unter­bro­chen, um uns auf die Gäs­te ein­zu­stel­len.» Für Bri­git­te Strö­bel von Voca­li­pur ist eine anspre­chen­de Wer­bung für die offe­ne Pro­be beson­ders wich­tig, «um die Leu­te mit­zu­rei­ßen». Vor allem rät sie Chö­ren aber: «Ein­fach mal mit­ma­chen bei der Akti­on!»

Hen­ri­et­te Schwarz ist Musik­wis­sen­schaft­le­rin und arbei­tet beim DCV in der Öffent­lich­keits­ar­beit. Sie schreibt – oft humor­voll – über die facet­ten­rei­chen Sei­ten des Chor­sin­gens.

San­dra van Len­te ist pro­mo­vier­te Lite­ra­tur­wis­sen­schaft­le­rin und unter­stützt die Chor­zeit-Redak­ti­on sowie Öffent­lich­keits­ar­beit und Pro­jek­te des DCV. Ihr Herz schlägt für inklu­si­ve Kul­tur­pro­jek­te.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen

Save the date! Die nächs­te Woche der offe­nen Chö­re fin­det vom 1. bis 7. März 2027 statt.
Hier geht es zur Pro­jekt­sei­te der Woche der offe­nen Chö­re auf der Web­site des Deut­schen Chor­ver­bands.

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