«Die Macht der Musik»

Autor:in

Maria Bätzing

Ausgabe

N° 128 | Januar 2026

Ull­rich Ficht­ner, Spie­gel-Jour­na­list und Musik­lieb­ha­ber, hat sich in sei­nem neu­en Buch «Die Macht der Musik – Über ihre Kraft, unser Leben glück­li­cher und unse­re Gesell­schaft gerech­ter zu machen» (DVA, 2025) auf eine Rei­se durch vie­le gesell­schaft­li­che Prak­ti­ken bege­ben, in denen es um Musik geht. Sei­ne Grund­the­se: Die Musi­ka­li­sie­rung der Gesell­schaft ste­he bevor. Die­se wer­de – das schließt er aus zahl­rei­chen Stu­di­en – unse­re Gesell­schaft grund­le­gend zum Bes­se­ren ver­än­dern. Nicht ganz klar wird, ob Ficht­ner die The­se ver­tritt, die­se Musi­ka­li­sie­rung sei bereits im Gan­ge und wer­de sich durch­set­zen, oder ob er dies nur for­dert. Je nach­dem, wel­chen Bereich er betrach­tet, ist er da unter­schied­lich opti­mis­tisch. Im Kapi­tel über Schul­mu­sik lie­gen Anspruch und heu­ti­ge Situa­ti­on noch weit aus­ein­an­der, die Kapi­tel über Musik und Bio­lo­gie wei­sen für ihn dage­gen beson­ders in die Zukunft.

Der Mensch als musikalisches Wesen

Er schließt dar­aus: «Seit eini­gen Jah­ren ver­dich­ten sich For­schungs­er­geb­nis­se zu der Erkennt­nis, dass der Mensch ein musi­ka­li­sches Wesen ist. Dass Musik exis­ten­zi­ell für unser Leben und Über­le­ben ist, dass gera­de Kin­der ohne sie ver­küm­mern und mit ihr regel­recht auf­blü­hen. Ist dies als Wis­sen ein­mal eta­bliert, steht uns eine Musi­ka­li­sie­rung der Ver­hält­nis­se ins Haus, ein bedeu­ten­der kul­tu­rel­ler Umbruch.» Ficht­ner illus­triert dies durch Begeg­nun­gen mit Men­schen, die Musik in irgend­ei­ner Form zu ihrem Beruf oder ihrer lebens­lan­gen Lei­den­schaft gemacht haben. Er begibt sich dabei in ver­schie­de­ne Gen­res und Auf­füh­rungs­for­men sowie zu Kon­tex­ten, in denen Musik zum Bei­spiel zu medi­zi­ni­schen Zwe­cken eine Rol­le spielt.

Das ist inter­es­sant, aber es blei­ben auch Fra­gen unan­ge­spro­chen: Wie wich­tig ist Musik tat­säch­lich für das «Ver­küm­mern oder Auf­blü­hen» von Kin­dern? Gibt es nicht auch glück­li­che Men­schen, für die Musik höchs­tens im Hin­ter­grund eine Rol­le spielt? Gibt es nicht auch Stu­di­en, die etwa Sport oder Schach unter­su­chen und genau­so posi­ti­ve Ergeb­nis­se haben? Oder hat tat­säch­lich die Musik hier eine beson­de­re Rol­le? Es ist nicht sehr über­ra­schend, dass Men­schen, die sich ein Leben lang inten­siv mit einer Sache beschäf­ti­gen, dar­aus gro­ße Kraft und Zufrie­den­heit zie­hen. Damit zu bele­gen, dass die­se Sache bei allen Men­schen Musik sein könn­te, hal­te ich aller­dings für gewagt.

Spannende Musikerlebnisse und Gesprächspartner:innen

Die Kapi­tel las­sen sich auch ein­zeln lesen und sind epi­so­disch auf­ge­baut. Ficht­ner nimmt uns mit zu musi­ka­li­schen Erleb­nis­sen und viel­fäl­ti­gen Gesprächspartner:innen aus dem Musik­busi­ness, von exklu­si­ven Kon­zer­ten auf Schloss Elmau bis zu Mas­sen­kon­zer­ten mit Dis­ney­me­lo­dien, von Donau­eschin­gen bis Tik­tok. Es ist erfri­schend, einem Autor zu fol­gen, der all die­sen unter­schied­li­chen musi­ka­li­schen Kul­tur­phä­no­me­nen ernst­haft etwas abge­win­nen kann. Wer mit auf die Rei­se eines viel­ge­reis­ten Musik­lieb­ha­bers kom­men möch­te, für den ist die­ses Buch eine schö­ne Lek­tü­re. Dem Titel «Die Macht der Musik – Über ihre Kraft, unser Leben glück­li­cher und unse­re Gesell­schaft gerech­ter zu machen» wird es aber nur gerecht, wenn man bereits eine gewis­se Vor­ein­ge­nom­men­heit für die Musik mit­bringt.

Portrait von Maria Bätzing

Autor:in

Maria Bätzing

Maria Bätzing ist Redakteurin beim Online-Musikjournal Melodiva und arbeitet für das Frauen Musik Büro Frankfurt. Sie singt im Frankfurter Frauenchor Elektra und im Ensemble Quarantöne.

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