Mitreißende Musicals in Mittelhessen

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Sandra van Lente

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Chorzeit Online

Im hes­si­schen Wetz­lar gibt es einen beson­de­ren Ort für Thea­ter und Musi­cals: das Neue Kel­ler­thea­ter. Das Neue Kel­ler­thea­ter wur­de im April 1975 als gemein­nüt­zi­ger Ver­ein gegrün­det und wird seit­dem ehren­amt­lich geführt. Nur weni­ge Jah­re nach der Grün­dung stieß Andrés Zar­ra Esperón dazu. Seit 1982 ist er dort aktiv, seit 2001 als 1. Vor­sit­zen­der des Vor­stands. Er schwärmt auch nach über vier­zig Jah­ren vom Zusam­men­halt im Team und davon, wie sich immer wie­der neue Kon­stel­la­tio­nen für neue Pro­duk­tio­nen bil­den. Die Büh­ne in der Wetz­la­rer Innen­stadt brin­ge Men­schen zusam­men, «ob du jetzt mit sieb­zehn zu uns kommst oder mit acht­zig».

Gesucht und gefunden

Neben Thea­ter­pro­duk­tio­nen steht jedes Jahr auch eine neue Musi­cal­pro­duk­ti­on auf dem Spiel­plan. Seit 2003 hat das Musi­cal­en­sem­ble F.Act sein Zuhau­se im Kel­ler­thea­ter. Vere­na Kowarsch, lang­jäh­ri­ges Mit­glied der Musi­cal­grup­pe, erin­nert sich: «Wir waren eine Grup­pe Freun­de, die nach dem Abi noch wei­ter Lust hat­te, Musi­cals zu spie­len. Aber für die Musi­cal­grup­pe unse­rer Schu­le waren wir schon zu alt.» Zum Glück gab es eine per­sön­li­che Ver­bin­dung: Chris­toph Dre­witz, Grün­dungs­mit­glied von F.Act, mach­te 2001 ein Regie­prak­ti­kum beim Kel­ler­thea­ter. Die Musi­cal­grup­pe über­leg­te gera­de, einen eige­nen Ver­ein zu grün­den und such­te Rat beim erfah­re­nen Thea­ter­ver­ein. Und Andrés Zar­ra Esperón sah eine Chan­ce: Er schlug den Mit­glie­dern von F.Act vor, das Kel­ler­thea­ter zu ihrer neu­en Hei­mat zu machen und die eta­blier­ten Ver­eins­struk­tu­ren zu nut­zen. So wür­de sich auch das Reper­toire des Kel­ler­thea­ters um Musi­cals erwei­tern. Gemein­sam beschlos­sen die Mit­glie­der von Kel­ler­thea­ter und F.Act dann die Eck­punk­te der Zusam­men­füh­rung.

Nach der posi­ti­ven Abstim­mung der Ver­eins­mit­glie­der, erin­nert sich Andrés Zar­ra Esperón, gab es einen Ver­trag und «eine Art Pro­be­zeit über zwei Jah­re mit getrenn­ten Kas­sen. Danach war klar: Es funk­tio­niert. Und seit­dem arbei­ten wir zusam­men.»

Das Beste aus zwei Welten

In über zwan­zig Jah­ren haben sich bei­de Sei­ten durch die Zusam­men­ar­beit wei­ter­ent­wi­ckelt. So hat sich die Zusam­men­set­zung des Publi­kums ver­än­dert, erklärt Andrés Zar­ra Esperón: «Als Ers­tes haben wir fest­ge­stellt, dass das Publi­kum viel jün­ger wur­de. Men­schen, die zunächst für die Musi­cals gekom­men sind, kamen dann auch ins Thea­ter.» Umge­kehrt sei­en auch Stamm­gäs­te des Kel­ler­thea­ters zu den Musi­cal­auf­füh­run­gen gekom­men – und begeis­tert gewe­sen. Auch auf die gro­ße Viel­falt im Pro­gramm – ange­bo­ten wer­den Bou­le­vard­ko­mö­di­en und Kri­mis, Dra­men und Musi­cals – ist das Kel­ler­thea­ter stolz.

Die Mit­glie­der von F.Act schät­zen unter ande­rem die Struk­tu­ren des Neu­en Kel­ler­thea­ters. «Wir brauch­ten einen Ort, an dem wir regel­mä­ßig spie­len konn­ten», erklärt Dre­witz. «Und wir beka­men gro­ße Unter­stüt­zung im orga­ni­sa­to­ri­schen Bereich und recht­li­che Absi­che­rung. Auch an Auf­füh­rungs­rech­te kommt man als eta­blier­ter Ver­ein ein biss­chen leich­ter. Außer­dem haben uns durch die Fusi­on auch noch mehr Men­schen unter ande­rem in tech­ni­schen Berei­chen unter­stützt.» Wei­ter­hin über­neh­men die Darsteller:innen regel­mä­ßig Auf­ga­ben in Büh­nen­bau und Tech­nik – zusätz­lich zur Arbeit auf der Büh­ne.

Austausch auch im Ensemble

Thea­ter- und Musi­cal­luft zu schnup­pern, sei eine Chan­ce, die vom Ensem­ble gern genutzt wer­de, erzählt Andrés Zar­ra Esperón, auch wenn es durch­aus Respekt vor dem Mul­ti­tas­king aus Gesang, Schau­spiel und Tanz auf der Musi­cal­büh­ne gebe. Vor­stands­mit­glied Vere­na Kowarsch, die als Schau­spie­le­rin und Musi­cal­dar­stel­le­rin regel­mä­ßig auf der Büh­ne steht, schwärmt: «Ich lie­be an Musi­cals, dass man Geschich­ten erzäh­len kann und dazu drei Ele­men­te – Schau­spiel, Gesang und Tanz – nutzt. Im bes­ten Fall ist man als Zuschauer:in von der ers­ten Sekun­de an gefes­selt. Als Darsteller:in ist man schon sehr gefor­dert, zumin­dest ein biss­chen was von allem prä­sen­tie­ren zu müs­sen – im Ama­teur­thea­ter hat man den Vor­teil, dass das Publi­kum es einem aber auch ver­zeiht, wenn man zwar toll singt und spielt, aber zwei lin­ke Füße hat.»

Chris­toph Dre­witz erzählt, er habe damals vie­le Ein­bli­cke in ganz unter­schied­li­che Tätig­kei­ten bekom­men: «Ich konn­te beim Büh­nen­bau mit­hel­fen, Licht pro­gram­mie­ren, auf der Büh­ne ste­hen und Regie füh­ren. Vie­le Gewer­ke habe ich so ver­ste­hen gelernt.» Sei­ne Arbeit als Regis­seur und Pro­du­zent an gro­ßen Musi­cal­büh­nen und die Auf­ga­ben am Kel­ler­thea­ter haben sich gegen­sei­tig posi­tiv beein­flusst.

«Wann hat man als Erwachsene:r im All­tag schon mal die Gele­gen­heit, sei­ne Arme aus­zu­brei­ten und laut­hals sei­ne Gefüh­le her­aus­zu­sin­gen?»

Emotionale Höhepunkte

«Wie im Him­mel» stand im Jubi­lä­ums­jahr 2025 auf dem Pro­gramm, ein Chor­mu­si­cal mit etwa 40 Akteur:innen auf und hin­ter der Büh­ne. Das war eines der größ­ten Ensem­bles in der Geschich­te des Hau­ses. Gleich­zei­tig, berich­tet Vere­na Kowarsch, war es auch das Ensem­ble mit der größ­ten Alters­span­ne: Vom Sechs­jäh­ri­gen bis zur 66 Jah­re alten Dar­stel­le­rin sei­en alle Alters­grup­pen ver­tre­ten gewe­sen. «Das gemein­sa­me Pro­ben und den Wil­len, so eine rie­si­ge Sache gemein­sam anzu­pa­cken und sie am Ende erfolg­reich einem sehr berühr­ten Publi­kum zu prä­sen­tie­ren, hat uns auch als Grup­pe eng zusam­men­ge­schweißt. Beim Abschied vom Stück mit der Der­niè­re flos­sen auf und hin­ter der Büh­ne sint­flut­ar­tig die Trä­nen.» Für sie ist das Neue Kel­ler­thea­ter ein beson­de­rer, berei­chern­der Ort: «Was da manch­mal aus einem raus­kommt, wenn man sich traut und es gesche­hen lässt, ist wirk­lich unglaub­lich. Und erschre­ckend. Und befrei­end. Und wann hat man als Erwachsene:r im All­tag schon ein­mal die Gele­gen­heit, sei­ne Arme aus­zu­brei­ten und laut­hals sei­ne Gefüh­le her­aus­zu­sin­gen?»

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen

Das Kel­ler­thea­ter in Wetz­lar wur­de im April 1975 als gemein­nüt­zi­ger Ver­ein gegrün­det. 2003 fusio­nier­te es mit der Musi­cal­grup­pe F.Act. Seit­dem hat die pro­fes­sio­nel­le Ama­teur­grup­pe neben Schau­spiel auch Musi­cals im Pro­gramm.

Bis zum 2. Mai 2026 spielt das Ensem­ble die Kri­mi­ko­mö­die «Escape Room».

Infos zum Thea­ter, zu ver­gan­ge­nen und zukünf­ti­gen Pro­duk­tio­nen sowie Tickets fin­den sich auf der Web­site des Neu­en Kel­ler­thea­ters.

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Sandra van Lente

Sandra van Lente ist promovierte Literaturwissenschaftlerin und unterstützt die Chorzeit-Redaktion sowie Öffentlichkeitsarbeit und Projekte des DCV. Ihr Herz schlägt für inklusive Kulturprojekte.

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