Von Erfolg zu Erfolg – Dirigentin Katharina Morin im Gespräch

Autor:in

Daniel Frosch

Ausgabe

Chorzeit Online

Ihre ers­te Sai­son als Kapell­meis­te­rin am Badi­schen Staats­thea­ter Karls­ru­he geht gera­de zu Ende, auch bei der Nord­west­deut­schen Phil­har­mo­nie Her­ford und beim Orques­ta de Cór­do­ba hat Katha­ri­na Mor­in debü­tiert. Die Diri­gen­tin gehört zu einer jun­gen Gene­ra­ti­on von Ensem­ble­lei­te­rin­nen, die der­zeit in die Öffent­lich­keit tritt. Nun wird ihr der För­der­preis Deutsch­land­funk beim Musik­fest Bre­men ver­lie­hen. Für die aus Bay­ern stam­men­de Chor- und Orches­ter­lei­te­rin ist es nicht die ers­te Aus­zeich­nung, bei Wett­be­wer­ben war sie schon mehr­fach erfolg­reich.

Herz­li­chen Glück­wunsch zum För­der­preis Deutsch­land­funk. Die­se Aus­zeich­nung wird ver­kün­det, einen Wett­be­werb vor­ab gibt es nicht. Wie haben Sie davon erfah­ren?

Das hat mich ganz unver­hofft ereilt. Ich wur­de per E‑Mail infor­miert, dass jemand vom Deutsch­land­funk mit mir tele­fo­nie­ren möch­te und habe so erfah­ren, dass mir die­ser Preis ver­lie­hen wer­den soll. Die Vor­ge­schich­te ist, dass Mit­glie­der der Kom­mis­si­on mich bei vor­he­ri­gen Wett­be­wer­ben erlebt hat­ten und mir auf die­sem Weg ihre Wert­schät­zung aus­drü­cken woll­ten. Mit dem Preis ist auch ein Kon­zert beim Musik­fest Bre­men 2027 ver­bun­den. Wir haben uns aus­ge­tauscht, wie und mit wem das rea­li­siert wer­den kann und jetzt wird es ein Kon­zert a cap­pel­la mit dem RIAS Kam­mer­chor.

«Wenn ich bei mei­ner Arbeit, bei den Men­schen und bei der Musik blei­be, funk­tio­niert das am bes­ten.»

Mit dem RIAS Kam­mer­chor ver­bin­det Sie seit 2024 eine Zusam­men­ar­beit. Damals haben Sie den Deut­schen Preis für Chor­di­ri­gie­ren des Deut­schen Musik­rats gewon­nen, nach­dem Sie mit dem Ensem­ble geprobt und dann das Final­kon­zert diri­giert haben. Wie haben Sie die­sen ers­ten Kon­takt in Erin­ne­rung?

Der RIAS Kam­mer­chor ist ein groß­ar­ti­ger Chor und ein wun­der­vol­ler Klang­kör­per, aber auch hier muss man das Reper­toire ein­stu­die­ren, bevor es dann in hoher Qua­li­tät im Kon­zert gesun­gen wird. Es geht also auch dort dar­um, ein Stück ken­nen­zu­ler­nen, den Text durch­zu­ar­bei­ten und die Har­mo­nien aus­zu­stim­men. Von daher war es 2024 gar nicht so stres­sig – ich dach­te: «Aha, die­se Situa­ti­on ken­ne ich, der bin ich gewach­sen und wir gehen jetzt zusam­men an die­se Auf­ga­be her­an.» Bei Wett­be­wer­ben geht es mir nicht dar­um, etwas zu zei­gen, was die Jury mög­li­cher­wei­se sehen möch­te. Wenn ich bei mei­ner Arbeit, bei den Men­schen und bei der Musik blei­be, funk­tio­niert das am bes­ten.

Vor weni­gen Wochen sind Sie nach fast genau zwei Jah­ren für Ein­stu­die­run­gen zum RIAS Kam­mer­chor zurück­ge­kehrt. Konn­ten Sie an die ers­te Begeg­nung anknüp­fen?

Ja, als ich jetzt erneut beim RIAS Kam­mer­chor zu Gast war, habe ich wie­der gemerkt, dass die Che­mie ein­fach stimmt. Die ers­te Pro­be ist immer span­nend. Man weiß, dass man jetzt eine gemein­sa­me Woche vor sich hat. Man muss erst ein­mal wie­der ankom­men, die Men­schen spü­ren, auch, wie es ihnen geht, um dann sinn­voll die Zeit ein­zu­tei­len und alle gemein­sam ans Ziel zu brin­gen. Aber spä­tes­tens am zwei­ten Tag war mir klar, dass das eine gute Woche wird. Beim RIAS Kam­mer­chor kann ich auch mal einen Witz machen, das mag ich sehr.

Der Deut­sche Preis für Chor­di­ri­gie­ren ist der Höhe­punkt des För­der­pro­gramms Forum Diri­gie­ren des Deut­schen Musik­rats. Als Sti­pen­dia­tin dort haben Sie par­al­lel auch Chor­lei­tung stu­diert – was haben Sie im Forum Diri­gie­ren zusätz­lich gelernt?

Das war für mich als Chor­di­ri­gen­tin unglaub­lich wert­voll. In mei­nem Stu­di­um in Mün­chen gab es zu dem Zeit­punkt lei­der kei­ne Ange­bo­te, um den pro­fes­sio­nel­len Bereich ken­nen­zu­ler­nen. Das Forum Diri­gie­ren bot zum ers­ten Mal eine Mög­lich­keit, mit Pro­fis zu arbei­ten. Ein Kurs beim Chor­werk Ruhr oder an der Stutt­gar­ter Oper, das waren tol­le Erfah­run­gen. Ich weiß noch: Vor dem ers­ten Kurs beim WDR Rund­funk­chor in Köln hat­ten wir zum Glück eine Bespre­chung mit Chef­di­ri­gent Nico­las Fink, der dann gefragt hat: «Wie star­ten wir denn in die Pro­be im Rund­funk­chor?» Und ich war noch grün hin­ter den Ohren und drauf und dran zu sagen: «Mit ein­sin­gen!» – aber das fin­det in Pro­fi­ch­ö­ren tat­säch­lich nicht statt. Man kann also in den Betrieb ein­mal rein­schau­en. Wenn man dann am Deut­schen Preis für Chor­di­ri­gie­ren teil­nimmt und mit dem RIAS Kam­mer­chor arbei­tet, kennt man den Umgang schon. Was kann ich stimm­lich und klang­lich ver­lan­gen und erwar­ten? Eine gro­ße Fra­ge ist auch immer das Tem­po. Was ist ein gutes Pro­ben­tem­po? Wo ist der Punkt, an dem ich das Tem­po anzie­hen kann?

Wie haben Sie die Zeit nach dem Deut­schen Preis für Chor­di­ri­gie­ren erlebt? Was hat sich durch die Aus­zeich­nung ver­än­dert?

Teil des Deut­schen Prei­ses für Chor­di­ri­gie­ren ist ein Enga­ge­ment beim MDR-Rund­funk­chor und beim RIAS Kam­mer­chor, die ich bei­de die­ses Jahr wahr­neh­men konn­te. Und ich bin sehr froh, dass bei­de Chö­re mich anschlie­ßend wie­der zu sich ein­ge­la­den haben. Es ist ein Schritt, den Preis zu gewin­nen und dann die Mög­lich­keit zu haben, sich bei pro­fes­sio­nel­len Ensem­bles vor­zu­stel­len. Aber manch­mal den­ke ich, die grö­ße­re Her­aus­for­de­rung ist, was danach kommt. Ich woll­te bewei­sen, dass es nicht nur eine Moment­auf­nah­me war und man im rich­ti­gen Moment gut diri­giert hat, son­dern dass das, was die Jury gese­hen hat, sich auch lang­fris­tig durch­setzt.

«Letzt­lich ist es immer eine Fra­ge der Erfah­rung.»

Es gab ja Anzei­chen, dass es nicht nur eine Moment­auf­nah­me war: 2024 haben Sie auch den Drit­ten Preis und den «Géné­ra­ti­on Opéra»-Preis beim Wett­be­werb La Maes­tra gewon­nen, einem Wett­be­werb für Orches­ter­di­ri­gen­tin­nen. Chor und Orches­ter – eine gute Kom­bi­na­ti­on?

Für mich ist es eine gro­ße Berei­che­rung, dass ich auch Orches­ter diri­gie­re. Am Badi­schen Staats­thea­ter in Karls­ru­he bin ich als Kapell­meis­te­rin in einem Kon­text unter­wegs, in dem ich – vor allem in der Oper – mit Chor und Orches­ter arbei­ten kann. Auch Chor­sin­fo­nik möch­te ich unbe­dingt diri­gie­ren – Haydns «Die Schöp­fung» oder Mahlers Zwei­te. Es geht dar­um, sich immer wei­ter­zu­bil­den, immer tie­fer ein­zu­tau­chen, sich selbst auch bes­ser ken­nen­zu­ler­nen und neue Stra­te­gien zu fin­den. Sich auch zu fra­gen: «Wel­chen Klang möch­te ich bei ein­zel­nen Stü­cken?» Durch die­se Erfah­run­gen wird man im Lau­fe der Zeit bes­ser und siche­rer. Ich mer­ke, dass ich mit mei­ner fes­ten Stel­le als Kapell­meis­te­rin am Thea­ter eigent­lich im Orches­ter zuhau­se bin. Im sin­fo­ni­schen Bereich kom­men in nächs­ter Zeit auch span­nen­de Enga­ge­ments. Wenn ich dann aber zum RIAS Kam­mer­chor oder zum MDR-Rund­funk­chor gehe und ein A‑cap­pel­la-Pro­gramm vor­be­rei­te, ist das ein ande­rer Klang­kör­per, auf den ich mich anders vor­be­rei­te. Aber letzt­lich ist es immer eine Fra­ge der Erfah­rung.

(21.08.2026)

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen

Alle Kon­zert­ter­mi­ne von Katha­ri­na Mor­in kön­nen auf der Web­site der Diri­gen­tin abge­ru­fen wer­den.

Eine Mel­dung zur Ver­lei­hung des För­der­preis Deutsch­land­funk am 23. August 2026 hat das Musik­fest Bre­men auf sei­ner Web­site ver­öf­fent­licht.

Der Deut­sche Preis für Chor­di­ri­gie­ren 2026 wird vom 5. bis 10. Okto­ber in Ber­lin aus­ge­tra­gen. Der Live­stream des Final­kon­zerts am 10. Okto­ber um 19 Uhr wird unter ande­rem auf dem You­Tube-Kanal des RIAS Kam­mer­chors über­tra­gen.

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Daniel Frosch

Daniel Frosch ist Redakteur der Chorzeit.

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