Aktiv bleiben: Christiane Hrasky über Stimmpflege im Herbst
Singen ist gesund und besonders wichtig, wenn die Grippesaison beginnt und wir vielen Viren und Bakterien ausgesetzt sind. Denn Singen steigert bereits nach 20 Minuten nachweislich die Produktion von Immunglobulin A im Speichel. Dieses ist vor allem für die Abwehr von Erregern an der Oberfläche von Schleimhäuten zuständig. Singen stimuliert also das Immunsystem. Außerdem werden Glückshormone ausgeschüttet und Stresshormone abgebaut. Gestärkte Abwehrkräfte, gute Laune, seelisches Wohlbefinden und Stressabbau – das ist eine geniale Kombination an einem trüben Wintertag. Und dazu kommt noch, dass Singen gegen Angst hilft. Neueste Forschungen belegen, dass Singen und Angst-haben in einer Hirnregion verankert sind. Und diese Gehirnregion kann nicht beide Gehirnaktivitäten gleichzeitig umsetzen. Wir können also entweder singen oder Angst haben. Deshalb singen wir, wenn wir in den dunklen Wald gehen. Und deshalb versagt uns die Stimme, wenn es zu unheimlich wird. Wer singt, kann also keine Angst haben. Oder anders ausgedrückt: Je mehr wir singen, umso wohler fühlen wir uns.
«Gestärkte Abwehrkräfte, gute Laune, seelisches Wohlbefinden und Stressabbau – das ist eine geniale Kombination an einem trüben Wintertag.»
Eine fitte Stimme in einem fitten Körper
Dennoch reicht es nicht immer, einfach nur zu singen. Die Stimme braucht Pflege, besonders im Winter oder wenn viele Proben und Konzerte anstehen. Zur allgemeinen Stimmpflege gehören ein regelmäßiger Tagesablauf, viel Bewegung, kein Alkohol und gesunde Ernährung. Das ist sowieso gut, aber für das Singen besonders. Denn Bewegung hält unseren Körper fit und fördert die Durchblutung. Außerdem wird die Atmung stimuliert und Muskeln gedehnt oder gestärkt. All das unterstützt den eigenen Körper in Vorbereitung für das Singen. Aber die Stimme selbst braucht auch regelmäßiges Training. Singen ist ein komplexer Vorgang, bei dem viele kleine und größere Muskeln zum Einsatz kommen, die reibungslos funktionieren müssen. Und diese sollten trainiert werden. Am besten täglich. Allgemeine Stimmpflege hört sich also erstmal an wie ein guter Ernährungsratgeber. Aber natürlich kann man auch ohne «Diät» toll singen. Wichtig ist es, Veränderungen wahrzunehmen und alles Mögliche zu tun, was Hilfe bringen kann.
Pausen vermeiden mithilfe von Lax Vox und Co.
Je älter wir werden, umso ungünstiger wirken sich lange Sing-Unterbrechungen aus. Es wird immer schwieriger, nach einer Pause den alten Zustand zu erreichen. Daher kann ich allen, die Reisen oder Sing-Unterbrechungen vor sich haben, ans Herz legen, sich mit Lax Vox zu beschäftigen. Das ist eine Methode aus der Stimmtherapie, die inzwischen viele Stimmbildner:innen in ihr Programm aufgenommen haben. Man blubbert mit einem Schlauch in eine Wasserflasche und hält damit seine Stimmlippen aktiv und geschmeidig. Das ist unaufwändig, dauert nicht mehr als zwei Minuten pro Tag und ist ein Jungbrunnen für die Stimme. Es gibt dazu viele Videos im Netz, auch von mir («Den Rost von der Stimme fegen»), die genau erklären, wie das funktioniert.
Lax Vox ist auch hervorragend geeignet, wenn man in eine Konzertsaison geht und viele Proben anstehen. Wenn man vor jeder Probe blubbert, wird die Stimme tragfähiger und ausdauernder. Lange Probentage können besser überstanden werden und die Höhen und Tiefen immer leichter erreicht. Aber auch ohne Lax Vox sollte man darauf achten, dass keine Probe ohne stimmliche Vorbereitung beginnt. Vergleichen kann man das wieder mit dem Sport. Kein Fußballer würde unaufgewärmt auf den Platz gehen. Die Gefahr von Muskelzerrungen wäre viel zu groß. Auch Singen ist muskulär herausfordernd. Nicht eingesungen können wir in einer Probe schnell Fehlspannungen aufbauen, die den Hals fest werden lassen oder die Stimme blockieren. Stimmbildung und Einsingen vor der Probe ist daher sehr wichtig. Sollte das mal ausfallen, kann man sich auch selbst warmmachen: Singen Sie leise Glissandi auf m oder ng, erst in der Mittellage, später hoch und tief. Und machen Sie das so lange, bis keine Raspler mehr zu hören sind. Das ersetzt kein komplettes Einsingen, hilft aber schonmal beim Start in die Probe.
Immer sinnvoll: Ein Gespür für den eigenen Körper
In der Probe selbst ist es sehr wichtig, dass die Stimmlippen befeuchtet bleiben. Je älter wir werden, umso weniger geht das von allein. Viel trinken – auch während der Probe – ist hilfreich. Ebenso der Einsatz von befeuchtenden Drops aus der Apotheke. Das schützt uns vor Stimmaussetzern und einer trockenen Kehle. Und nutzen Sie alle entstehenden Sing-Pausen, um Ihre Stimme zu unterstützen. Schließen Sie für einen Moment die Augen, um den Augenmuskel zu entspannen. Augen sind bei Proben oft gefordert wegen schlechter Beleuchtung und ein angestrengter Augenmuskel hat negative Auswirkungen auf den Kehlkopf. Lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit auf die Zunge und prüfen Sie, ob sie entspannt im Mund liegt. Die Zunge ist oft Ausdruck unserer (verspannten) Tagesform. Senken Sie Ihre Schultern, falls sie hochgezogen sind und kreisen sie sanft damit. Die Muskulatur der Schultern ist ebenfalls mit der Halsmuskulatur verbunden. Und zuletzt: Entspannen Sie immer mal Ihre Sitzhaltung, um die Unterstützungsmuskulatur zu entlasten. Jede Muskulatur braucht Pausen, um gut arbeiten zu können. Ich wünsche Ihnen viele Proben und Konzerte voller Wohlgefühl und Freude!