Effektvoll und praxisnah – drei neue Chorwerke von Anna Lapwood
Anna Lapwoods Karriere hat vergleichsweise normal begonnen, die britische Organistin war Musikdirektorin am Pembroke College, startete aber bald auch mithilfe der sozialen Medien regelrecht durch. Lapwood ist das perfekte Beispiel dafür, wie aus Prominenz eine reale Karriere wird. Und im Gegensatz zu vielen gehypten Influencern hat Lapwood tatsächlich etwas zu bieten.
Die klassisch ausgebildete Musikerin ist eine ausgezeichnete Organistin und auch als Komponistin tritt sie hin und wieder in Erscheinung, etwa mit ihrem «Tantum ergo» für zwei Frauenstimmen und Orgel. Die erste Strophe wird einstimmig vorgetragen, die zweite läuft zweistimmig, zumeist in Terzparallelen mit einigen aparten Reibungen, die dritte ist wieder einstimmig, der melodische Gestus aber extrovertierter. Gestützt wird der Gesang von einem nicht allzu schwierigen Orgelpart, der die Gesangstimmen auch colla parte mitspielt. Ein unprätentiöses Stück für die liturgische Praxis.

Anna Lapwood
TANTUM ERGO
für Frauenchor und Orgel
ISMN 979–0‑060–15175‑0
4 Seiten • 3 Euro
ARISE, SHINE
für gemischten Chor und Orgel
ISMN 979–0‑060–15218‑4
12 Seiten • 3,50 Euro
AN IRISH BLESSING
für gemischten Chor und Orgel oder Harfe / für Frauenchor und Orgel oder Harfe
ISMN 979–0‑060–15280‑1 / 979–0‑060–15282‑5
16/12 Seiten • 4,50/4 Euro
Boosey & Hawkes
«Arise, shine» basiert auf einem Text aus Jesaja 60,1–3. Das erscheinende göttliche Licht, das hier besungen wird, wird durch strahlende Harmonien, ein imposantes An- und Abschwellen der Lautstärke und eine kontrastierende «dunkle» Episode der Unterstimmen verdeutlicht. Der Schluss des Textes wird auf nur einem einzigen Ton deklamiert, gerne auch unter tatkräftiger Beteiligung der Gemeinde, wie Lapwood im Vorwort schreibt. Die Orgel grundiert das Geschehen zu Beginn mit nur wenigen, sparsam gesetzten Akkorden und liefert beim einstimmigen Ende eine flächige harmonische Grundlage. Ein eher schlichtes Stück, das auf Wirkung angelegt ist, die es zweifelsohne nicht verfehlen dürfte.
«An Irish Blessing» gibt es in Varianten für vier- wie zweistimmigen Chor mit Klavier- oder Harfenbegleitung. Hier greift Lapwood deutlich tiefer in den harmonischen Schmalztopf, mit aparten bis leicht kitschigen Harmonien und Sinn für eine erhebende Gesamtdramaturgie, aber auch das höchst geschmackvoll. Easy listening, aber gut gemacht.