Bühne frei – aber rechtssicher: Ein Verlag hilft, Musicals aufzuführen

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Sabine Näher

Ausgabe

Chorzeit Online

Wünscht sich ein Ama­teur­chor, ein Musi­cal auf­zu­füh­ren, tau­chen erst ein­mal vie­le Fra­gen auf. Damit der Wunsch Wirk­lich­keit wer­den kann, bie­ten Ver­la­ge wie Musik und Büh­ne aus Wies­ba­den ihre Hil­fe an. Auf der Web­site des Ver­lags wer­den Inter­es­sier­te in Etap­pen zum pas­sen­den Auf­füh­rungs­ma­te­ri­al gelei­tet: «Sie wol­len ger­ne ein Stück spie­len, wis­sen aber nicht, was hier­bei alles an for­ma­len Din­gen zu beach­ten ist? Wir hel­fen Ihnen ger­ne wei­ter, mit einem klei­nen Leit­fa­den, der Sie Schritt für Schritt von der Idee zum Erfolg führt.» Zunächst ist die Zusam­men­set­zung des jewei­li­gen Ensem­bles zu beden­ken: «Wie vie­le männ­li­che und wie vie­le weib­li­che Dar­stel­ler ste­hen zur Ver­fü­gung, haben Sie begab­te Kin­der oder Jugend­li­che im Ensem­ble, gibt es als musi­ka­li­sche Beglei­tung ein Kla­vier, eine Band oder sogar ein grö­ße­res Instru­men­ta­ri­um?» Mit die­sen Infor­ma­tio­nen nutzt man dann die «Stück­su­che», um pas­sen­de Wer­ke zu fin­den. Wenn eine ers­te Aus­wahl getrof­fen wor­den ist, kann man sich Ansichts­ma­te­ri­al zu den ins Auge gefass­ten Musi­cals bestel­len. Das ist in der jewei­li­gen Stück­an­sicht mög­lich, der Ver­lag betont aller­dings: «Sie kön­nen uns aber auch ger­ne anru­fen, denn im per­sön­li­chen Gespräch kön­nen wir wei­te­re Fra­gen beant­wor­ten.»

«Basis für alles Weitere» – der Vertrag

Ist ein geeig­ne­tes Stück gefun­den, steht einem Musik und Büh­ne wei­ter zur Sei­te. Dem Über­blick über die wich­tigs­ten for­ma­len und orga­ni­sa­to­ri­schen Vor­aus­set­zun­gen ist der Hin­weis vor­an­ge­stellt: «Bit­te nicht erschre­cken: Vie­le der hier und im Auf­füh­rungs­ver­trag genann­ten detail­lier­ten Vor­schrif­ten klin­gen kom­pli­ziert, sie sind jedoch kei­ne Will­kür. Die Urhe­ber­rech­te von Komponist*innen oder Textdichter*innen sind ein hohes Gut, das durch zahl­rei­che gesetz­li­che Rege­lun­gen geschützt ist. Wir sind dafür da, dass hier alles gut läuft und Pro­ble­me erst gar nicht ent­ste­hen.» Nach die­sen ermu­ti­gen­den Wor­ten wird «als Basis für alles Wei­te­re» auf den Auf­füh­rungs­ver­trag zwi­schen dem Ensem­ble und dem Ver­lag ver­wie­sen. Die­ser muss als recht­lich bin­den­de Ver­ein­ba­rung von einem Zeich­nungs­be­rech­tig­ten unter­schrie­ben wer­den, der für «alle Rech­te und Pflich­ten ver­ant­wort­lich gera­de­steht». In die­sem Ver­trag wer­den alle Bedin­gun­gen, Kos­ten und Vor­aus­set­zun­gen für die jewei­li­ge Auf­füh­rung fest­ge­hal­ten.

Die anfallenden Kosten

Der Ver­lag infor­miert über alle ent­ste­hen­den Kos­ten vor­ab. Bei deren Berech­nung spielt es eine Rol­le, ob Ein­tritts­geld ver­langt oder nur eine Spen­den­bit­te aus­ge­spro­chen wird; es ist auf jeden Fall eine Min­dest­tan­tie­me zu zah­len. Zusätz­lich zu den Tan­tie­men fällt die Mate­ri­al­miet­ge­bühr an. Sie umfasst alles, was an Noten und Text für eine Auf­füh­rung des Stücks gebraucht wird, also Text­buch und Kla­vier­aus­zug für jede Solo­rol­le, Orches­ter­ma­te­ri­al für jedes Instru­ment sowie Chor­stim­men. Die­ses Mate­ri­al lie­fert der Ver­lag aller­dings nur leih­wei­se, und nur die­ses Mate­ri­al darf für die Pro­ben und Auf­füh­run­gen ver­wen­det wer­den.

Nach der letz­ten Vor­stel­lung bleibt zwei­er­lei zu erle­di­gen: die Abrech­nung der Tan­tie­men und die Rück­sen­dung des Leih­ma­te­ri­als. Das vom Ver­lag bereit­ge­stell­te Abrech­nungs­for­mu­lar muss die­sem aus­ge­füllt zurück­ge­sen­det und die ent­spre­chen­de Tan­tie­me auf ein Ver­lags­kon­to über­wie­sen wer­den. Und natür­lich muss das Auf­füh­rungs­ma­te­ri­al «voll­stän­dig und in einem ordent­li­chen Zustand» zurück­ge­sen­det wer­den, wobei das spä­tes­te Rück­sen­de­da­tum im Auf­füh­rungs­ver­trag ver­merkt ist.

Hilfe in Person: Felicitas Geipel im Gespräch

Die zustän­di­ge Ansprech­part­ne­rin für das Ama­teur­thea­ter ist Feli­ci­tas Gei­pel. Die Fra­ge, die ihr am häu­figs­ten gestellt wird: «Was kos­tet das? Und dann sind vie­le über­rascht, dass es preis­wer­ter ist als ver­mu­tet», erklärt Gei­pel. Um ein kon­kre­tes Bei­spiel gebe­ten rech­net sie vor, was ein Schul­thea­ter für eine Auf­füh­rung des Musi­cals «Peter Pan» zah­len müss­te: «Die Mate­ri­al­mie­te für ein hal­bes Jahr liegt bei 1080 Euro. Die Tan­tie­men betra­gen 15 Pro­zent der Ein­nah­men. Bei frei­em Ein­tritt wäre die Min­dest­tan­tie­me zu ent­rich­ten, die sich auf 50 Cent pro Sitz­platz beläuft, min­des­tens aber 150 Euro pro Auf­füh­rung.»

© Luca Gercke
«Unse­re abso­lu­ten Ren­ner sind ‹Der klei­ne Hor­ror­la­den›, ‹Sis­ter Act›, ‹Jesus Christ Super­star› und ‹Annie›.»

Die Zahl der abge­schlos­se­nen Ver­trä­ge liegt bei 170 bis 200 im Jahr. «Die Anfra­gen über­stei­gen die­se Zahl natür­lich, aber manch­mal passt es halt nicht – aus finan­zi­el­len Grün­den, weil kei­ne Spiel­stät­te gefun­den oder ein Werk eines ande­ren Ver­la­ges bevor­zugt wird», so Gei­pel. Die Pro­jek­te wer­den in ganz Deutsch­land sowie in der Schweiz und Öster­reich umge­setzt. «Unse­re abso­lu­ten Ren­ner sind ‹Der klei­ne Hor­ror­la­den›, ‹Sis­ter Act›, ‹Jesus Christ Super­star› und ‹Annie›», berich­tet Gei­pel.

Es gibt noch Raum für Neues

«Beson­ders spiel­freu­dig ist die Regi­on rund um Düs­sel­dorf, Essen und Müns­ter, aber auch Ham­burg, Ber­lin und das Rhein-Main-Gebiet sind sehr enga­giert», weiß Gei­pel. Ins­ge­samt kom­men übri­gens mehr Anfra­gen aus den alten Bun­des­län­dern. Ob das Musi­cal in den neu­en Län­dern weni­ger beliebt oder das Ange­bot des Ver­la­ges dort nur weni­ger bekannt ist, bleibt offen. Der Ver­lag betont, dass über­haupt nur ein Bruch­teil des Reper­toires an Musi­cals in Deutsch­land auf­ge­führt wer­de, wobei die Thea­ter sich auf einen klei­nen Kern­be­stand beschränk­ten und eine wei­te­re klei­ne Zahl an Wer­ken als kom­mer­zi­el­le Groß­pro­duk­tio­nen auf die Büh­ne kämen. «Dar­über hin­aus aber gibt es jede Men­ge inter­es­san­ter Musi­cals in allen denk­ba­ren Beset­zun­gen», heißt es auf der Web­site, «und bei Musik und Büh­ne fin­den Sie vie­le davon.»

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen

Auf sei­ner Web­site gibt der Ver­lag Musik und Büh­ne einen Über­blick über das umfang­rei­che Ver­lags­an­ge­bot und unter­stützt die Aus­lei­he von Auf­füh­rungs­ma­te­ri­al.

Zur Per­son

Feli­ci­tas Gei­pel, gebür­tig aus Wies­ba­den, ist seit 2003 Musi­cal­dar­stel­le­rin. Nach einer Aus­bil­dung zur Kauf­frau in der Grund­stücks- und Woh­nungs­wirt­schaft führ­te sie ein Cas­ting ans Hes­si­sche Staats­thea­ter Wies­ba­den, dem sie seit­her eng ver­bun­den ist. Bei der Musik und Büh­ne Ver­lags­ge­sell­schaft mbH in Wies­ba­den ist sie zudem ver­ant­wort­lich für die deutsch­land­wei­te Ver­ga­be von Musi­cal-Lizen­zen.

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Sabine Näher

Sabine Näher lebt und arbeitet als freie Kulturjournalistin für Hörfunk und Print in Leipzig und Oberbayern. Sie hat Bücher zum Schubert- und Schumann-Lied sowie zum 800. Geburtstag des Thomanerchors veröffentlicht.

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