Bühne frei – aber rechtssicher: Ein Verlag hilft, Musicals aufzuführen
Wünscht sich ein Amateurchor, ein Musical aufzuführen, tauchen erst einmal viele Fragen auf. Damit der Wunsch Wirklichkeit werden kann, bieten Verlage wie Musik und Bühne aus Wiesbaden ihre Hilfe an. Auf der Website des Verlags werden Interessierte in Etappen zum passenden Aufführungsmaterial geleitet: «Sie wollen gerne ein Stück spielen, wissen aber nicht, was hierbei alles an formalen Dingen zu beachten ist? Wir helfen Ihnen gerne weiter, mit einem kleinen Leitfaden, der Sie Schritt für Schritt von der Idee zum Erfolg führt.» Zunächst ist die Zusammensetzung des jeweiligen Ensembles zu bedenken: «Wie viele männliche und wie viele weibliche Darsteller stehen zur Verfügung, haben Sie begabte Kinder oder Jugendliche im Ensemble, gibt es als musikalische Begleitung ein Klavier, eine Band oder sogar ein größeres Instrumentarium?» Mit diesen Informationen nutzt man dann die «Stücksuche», um passende Werke zu finden. Wenn eine erste Auswahl getroffen worden ist, kann man sich Ansichtsmaterial zu den ins Auge gefassten Musicals bestellen. Das ist in der jeweiligen Stückansicht möglich, der Verlag betont allerdings: «Sie können uns aber auch gerne anrufen, denn im persönlichen Gespräch können wir weitere Fragen beantworten.»
«Basis für alles Weitere» – der Vertrag
Ist ein geeignetes Stück gefunden, steht einem Musik und Bühne weiter zur Seite. Dem Überblick über die wichtigsten formalen und organisatorischen Voraussetzungen ist der Hinweis vorangestellt: «Bitte nicht erschrecken: Viele der hier und im Aufführungsvertrag genannten detaillierten Vorschriften klingen kompliziert, sie sind jedoch keine Willkür. Die Urheberrechte von Komponist*innen oder Textdichter*innen sind ein hohes Gut, das durch zahlreiche gesetzliche Regelungen geschützt ist. Wir sind dafür da, dass hier alles gut läuft und Probleme erst gar nicht entstehen.» Nach diesen ermutigenden Worten wird «als Basis für alles Weitere» auf den Aufführungsvertrag zwischen dem Ensemble und dem Verlag verwiesen. Dieser muss als rechtlich bindende Vereinbarung von einem Zeichnungsberechtigten unterschrieben werden, der für «alle Rechte und Pflichten verantwortlich geradesteht». In diesem Vertrag werden alle Bedingungen, Kosten und Voraussetzungen für die jeweilige Aufführung festgehalten.
Die anfallenden Kosten
Der Verlag informiert über alle entstehenden Kosten vorab. Bei deren Berechnung spielt es eine Rolle, ob Eintrittsgeld verlangt oder nur eine Spendenbitte ausgesprochen wird; es ist auf jeden Fall eine Mindesttantieme zu zahlen. Zusätzlich zu den Tantiemen fällt die Materialmietgebühr an. Sie umfasst alles, was an Noten und Text für eine Aufführung des Stücks gebraucht wird, also Textbuch und Klavierauszug für jede Solorolle, Orchestermaterial für jedes Instrument sowie Chorstimmen. Dieses Material liefert der Verlag allerdings nur leihweise, und nur dieses Material darf für die Proben und Aufführungen verwendet werden.
Nach der letzten Vorstellung bleibt zweierlei zu erledigen: die Abrechnung der Tantiemen und die Rücksendung des Leihmaterials. Das vom Verlag bereitgestellte Abrechnungsformular muss diesem ausgefüllt zurückgesendet und die entsprechende Tantieme auf ein Verlagskonto überwiesen werden. Und natürlich muss das Aufführungsmaterial «vollständig und in einem ordentlichen Zustand» zurückgesendet werden, wobei das späteste Rücksendedatum im Aufführungsvertrag vermerkt ist.
Hilfe in Person: Felicitas Geipel im Gespräch
Die zuständige Ansprechpartnerin für das Amateurtheater ist Felicitas Geipel. Die Frage, die ihr am häufigsten gestellt wird: «Was kostet das? Und dann sind viele überrascht, dass es preiswerter ist als vermutet», erklärt Geipel. Um ein konkretes Beispiel gebeten rechnet sie vor, was ein Schultheater für eine Aufführung des Musicals «Peter Pan» zahlen müsste: «Die Materialmiete für ein halbes Jahr liegt bei 1080 Euro. Die Tantiemen betragen 15 Prozent der Einnahmen. Bei freiem Eintritt wäre die Mindesttantieme zu entrichten, die sich auf 50 Cent pro Sitzplatz beläuft, mindestens aber 150 Euro pro Aufführung.»

«Unsere absoluten Renner sind ‹Der kleine Horrorladen›, ‹Sister Act›, ‹Jesus Christ Superstar› und ‹Annie›.»
Die Zahl der abgeschlossenen Verträge liegt bei 170 bis 200 im Jahr. «Die Anfragen übersteigen diese Zahl natürlich, aber manchmal passt es halt nicht – aus finanziellen Gründen, weil keine Spielstätte gefunden oder ein Werk eines anderen Verlages bevorzugt wird», so Geipel. Die Projekte werden in ganz Deutschland sowie in der Schweiz und Österreich umgesetzt. «Unsere absoluten Renner sind ‹Der kleine Horrorladen›, ‹Sister Act›, ‹Jesus Christ Superstar› und ‹Annie›», berichtet Geipel.
Es gibt noch Raum für Neues
«Besonders spielfreudig ist die Region rund um Düsseldorf, Essen und Münster, aber auch Hamburg, Berlin und das Rhein-Main-Gebiet sind sehr engagiert», weiß Geipel. Insgesamt kommen übrigens mehr Anfragen aus den alten Bundesländern. Ob das Musical in den neuen Ländern weniger beliebt oder das Angebot des Verlages dort nur weniger bekannt ist, bleibt offen. Der Verlag betont, dass überhaupt nur ein Bruchteil des Repertoires an Musicals in Deutschland aufgeführt werde, wobei die Theater sich auf einen kleinen Kernbestand beschränkten und eine weitere kleine Zahl an Werken als kommerzielle Großproduktionen auf die Bühne kämen. «Darüber hinaus aber gibt es jede Menge interessanter Musicals in allen denkbaren Besetzungen», heißt es auf der Website, «und bei Musik und Bühne finden Sie viele davon.»
Weitere Informationen
Auf seiner Website gibt der Verlag Musik und Bühne einen Überblick über das umfangreiche Verlagsangebot und unterstützt die Ausleihe von Aufführungsmaterial: www.musikundbuehne.de
Zur Person
Felicitas Geipel, gebürtig aus Wiesbaden, ist seit 2003 Musicaldarstellerin. Nach einer Ausbildung zur Kauffrau in der Grundstücks- und Wohnungswirtschaft führte sie ein Casting ans Hessische Staatstheater Wiesbaden, dem sie seither eng verbunden ist. Bei der Musik und Bühne Verlagsgesellschaft mbH in Wiesbaden ist sie zudem verantwortlich für die deutschlandweite Vergabe von Musical-Lizenzen.