España! Drei neue Alben mit Verbindungen in den Süden

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Chorzeit Online

Hochklassige Kombination: Der RIAS Kammerchor präsentiert ein Oratorium von Haydn

JOSEPH HAYDN. DIE SIEBEN LETZTEN WORTE UNSERES ERLÖSERS AM KREUZE

Katery­na Kas­per, Sopran
Esther Tschimp­ke, Sopran
Katie Bray, Alt
Robert Mur­ray, Tenor
Han­no Mül­ler-Brach­mann, Bass

RIAS Kam­mer­chor Ber­lin
Kon­zert­haus­or­ches­ter Ber­lin
(Jus­tin Doyle)

Har­mo­nia mun­di • Spiel­dau­er 55:03

Joseph Haydn (1732–1809) hat mit «Il ritor­no di Tobia» (1775), «Die sie­ben letz­ten Wor­te unse­res Erlö­sers am Kreu­ze» (1796), «Die Schöp­fung» (1798) und «Die Jah­res­zei­ten» (1801) ins­ge­samt vier Ora­to­ri­en geschrie­ben. Mit sei­nem vor­lie­gend ein­ge­spiel­ten Pas­si­ons-Ora­to­ri­um «Die sie­ben letz­ten Wor­te» fei­er­te er bereits zu Leb­zei­ten schnell Erfol­ge, was zahl­rei­che Dru­cke und Abschrif­ten sowie Bear­bei­tun­gen bele­gen. Die Ent­ste­hungs­ge­schich­te des Wer­kes führt ins spa­ni­sche Cádiz, woher Haydn den Auf­trag für eine Musik anläss­lich der Kar­frei­tags­an­dacht erhal­ten hat­te. Die­ses zunächst rein instru­men­ta­le Werk (1786) ergänz­te er spä­ter mit Tex­ten, die ver­mut­lich von dem Pas­sau­er Kapell­meis­ter Joseph Frie­bert (1723–1799) stam­men.

Der RIAS Kam­mer­chor und das Kon­zert­haus­or­ches­ter Ber­lin sowie die Solist:innen unter der Lei­tung von Jus­tin Doyle brin­gen Haydns «Letz­te Wor­te» wohl dosiert und facet­ten­reich zum Klin­gen — sei es in den die Sät­ze häu­fig a cap­pel­la ein­lei­ten­den, archa­isch anmu­ten­den Abschnit­ten oder in den Tei­len, wo Chor, Solist:innen und Orches­ter auf unter­schied­li­che Wei­se zusam­men­wir­ken. Her­vor­zu­he­ben ist unter ande­rem das warm tim­brier­te und leicht strö­men­de Solo der Sopra­nis­tin Katery­na Kas­per in dem Satz «Es ist voll­bracht». Aner­ken­nung ver­dient außer­dem der sich von den ande­ren Sät­zen abset­zen­de, emo­ti­ons­ge­la­de­ne Schluss­chor, das «Erd­be­ben». Hier stellt der Chor auch sei­ne tie­fen Regis­ter grol­lend und kraft­voll — pas­send zum Text über Jesu Tod — ein­drucks­voll unter Beweis. Eine voll und ganz über­zeu­gen­de Auf­nah­me.

Maurice Ravel – bearbeitet für Chor

SINGING RAVEL

Mau­rice Ravel: Pava­ne pour une infan­te déf­un­te (arr. Thi­bau­lt Per­ri­ne); Pava­ne de la bel­le au bois dor­mant & Le jar­din féé­ri­que, aus «Ma mère l’oye» (arr. Thier­ry Machuel); Ron­sard à son âme (arr. Gerard Pes­son); Sou­pir, aus: «Trois poè­mes de Sté­pha­ne Mall­ar­mé» (arr. Cly­tus Gott­wald); Toi, le coeur de la rose & Adieu pas­tou­rel­les aus: «L’en­fant et les sor­tilè­ges» (arr. Cly­tus Gott­wald & Thi­bau­lt Per­ri­ne); La val­lée des clo­ches (arr. Cly­tus Gott­wald); La flû­te enchan­tée, aus: «Sheherazade»(arr. Thi­bau­lt Per­ri­ne) u. a.

Les Méta­bo­les
(Léo Waryn­ski)

b records • Spiel­dau­er 57:00

Wer kennt sie noch, die rie­si­gen Star­schnit­te aus der «Bra­vo»? Ganz so exzes­siv ist es bei die­ser CD nicht, denn die kommt nur mit einem klei­nen Pos­ter auf der Rück­sei­te des falt­ba­ren Book­lets daher. Aber wenn man will, kann man sich Léo Waryn­ski, den Diri­gen­ten des Ensem­bles Les Méta­bo­les, an die Wand tackern und beim Lau­schen anhim­meln. Nötig hät­te er’s nicht, die CD über­zeugt auch so – über­wie­gend jeden­falls. Es han­delt sich um den Mitt­schnitt eines Kon­zerts aus der Phil­har­mo­nie de Paris, das Les Méta­bo­les mit Chor­mu­sik von Mau­rice Ravel gege­ben hat. Ori­gi­nal­wer­ke gibt es nicht vie­le, wes­halb ein Groß­teil der hier zu hören­den Wer­ke Bear­bei­tun­gen sind. Das muss kein Makel sein, wie nicht zuletzt die Bear­bei­tun­gen Cly­tus Gott­walds von Wer­ken Gus­tav Mahlers bewie­sen haben. Von Gott­wald stam­men auch meh­re­re der Bear­bei­tun­gen auf die­ser CD.

Das Ergeb­nis kann sich hören las­sen: Das Solist:innenensemble singt makel­los, über­zeugt mit einem run­den Ensem­ble­klang und schafft es mühe­los, auch grö­ße­re Span­nungs­bö­gen eben­so wie orches­tra­le Effek­te zu erzeu­gen. Gele­gent­lich über­neh­men ein­zel­ne Sänger:innen auch solis­ti­sche Auf­ga­ben, dann aber stört vor allem bei den Frau­en­stim­men ein zuwei­len unpas­send opern­haft anmu­ten­des Vibra­to. Selbst Ravels immer­hin vier­tel­stün­di­ger Bolé­ro erklingt hier in einer erstaun­li­chen voka­len Fas­sung, wenn­gleich das eksta­ti­sche Über­wäl­ti­gungs­mo­men­tum der Orches­ter­fas­sung hier bei wei­tem nicht erreicht wird.

Gui­do Kra­win­kel ist begeis­ter­ter Chor­sän­ger, frei­er Musik­jour­na­list und Autor unter ande­rem für die Bre­mer Phil­har­mo­ni­ker, Jena­er Phil­har­mo­nie, Back­stage Clas­si­cal, Würt­tem­ber­gi­sche Phil­har­mo­nie, Rhein­gau Musik­fes­ti­val sowie Oper! und Die Deut­sche Büh­ne. Er hält es mit Lori­ot: Ein Leben ohne Chor ist mög­lich, aber sinn­los.

Totenmessen, eine Sinfonia und Orgelmusik vom spanischen Hof

JOSÉ DE TORRES. MISA DE DIFUNTOS PARA LUIS I

José de Tor­res: Misa de Dif­un­tos para las Hon­ras de Luis I, Rey de Espa­ña; José de Nebra: Sin­fo­nia g‑moll; Fran­cis­co Cor­sel­li: Pro­sa de Dif­un­tos

Emma­nu­el­le de Negri, Sopran
Judit Subi­ra­na, Mez­zo­so­pran
Alber­to Migué­lez Rou­co, Alt
Jacob Law­rence, Tenor

Lisan­dro Aba­die, Bass­ba­ri­ton

Los Ele­ment­os

Chœur de l’Opé­ra Roy­al
Les Pages du Cent­re de musi­que baro­que de Ver­sailles

(Alber­to Migué­lez Rou­co)

Châ­teau de Ver­sailles Spec­ta­cles (Naxos) • Spiel­dau­er 1:09:39

Fin­ger hoch: Wer hat schon ein­mal etwas von José de Tor­res oder Fran­cis­co Cor­sel­li gehört? Die bei­den Kom­po­nis­ten wirk­ten in spät­ba­ro­cken Zei­ten am spa­ni­schen Hof im Madrid. Nun ist es ja so, dass die spa­ni­sche Musik nach 1611, dem Todes­jahr des gro­ßen Luis de Vic­to­ria, in einen lan­gen Dorn­rös­chen­schlaf fiel, der eigent­lich erst mit der Gene­ra­ti­on von Albé­niz, Gra­na­dos, de Falla, Turi­na und Rodri­go ende­te.

Der CD-Markt bie­tet immer wie­der Gele­gen­heit zu Hori­zont­er­wei­te­run­gen, so auch bei die­ser Neu­erschei­nung. Sie ent­führt uns mit rei­chem Per­so­nal – Solist:innen und den Ensem­bles Los Ele­ment­os, Chœur de l’Opéra Roy­al und dem Kna­ben­chor aus Ver­sailles – ins Madrid des 18. Jahr­hun­derts. Dort muss­te man 1724 den sieb­zehn­jäh­ri­gen König Luis I. zu Gra­be tra­gen, der nur 229 Tage auf dem Thron saß. Das fei­er­li­che Requi­em kom­po­nier­te José de Tor­res (1670–1738) und schuf damit eine Tra­di­ti­on für könig­li­che Todes­fäl­le. Nun hat die kom­po­nier­te Toten­mes­se trotz aller aner­ken­nens­wer­ten Reanim­ia­ti­ons­be­mü­hun­gen kei­ne rech­te Ori­gi­na­li­tät. Zu flos­kel­haft, zu wenig am Text ori­en­tiert ist sie gehal­ten. Ein über­ra­schend und erfreu­lich ande­res Kali­ber hat hin­ge­gen Fran­cis­co Cor­sel­lis (Tor­res’ Nach­fol­ger an der Capel­la Real) Requi­em von 1747. Das fetzt ziem­lich. Hier wie schon bei Tor­res aller­dings irri­tie­ren die gestopf­ten Trom­pe­ten, die mehr schnar­ren als klin­gen. Ist das his­to­risch?

Auf­ge­füllt wird die CD, an deren Inter­pre­ta­ti­on es nichts zu mäkeln gibt, mit einer harm­lo­sen Sin­fo­nia und Orgel­stü­cken von José de Nebra (1702–1768).

Johan­nes Mundry ist seit mehr als 30 Jah­ren für die Pres­se­ar­beit im Bären­rei­ter-Ver­lag ver­ant­wort­lich. Er singt in einem katho­li­schen Kam­mer­chor und schreibt seit Jahr­zehn­ten Musik­kri­ti­ken und Rezen­sio­nen für die Regio­nal­zei­tung und diver­se Musik­zeit­schrif­ten.

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