Ein Selfie einer Gruppe aus 16 fröhlich schauenden Männern und Frauen.
Encanto © Cristina Marques

«Encanto», ein brasilianischer Chor in Stuttgart

Autor:in

Sabine Näher

Ausgabe

N° 130 | Mai 2026

Im Jahr 1987 kam die Bra­si­lia­ne­rin Cris­ti­na Mar­ques nach Deutsch­land und absol­vier­te eine Aus­bil­dung als Leh­re­rin am Stutt­gar­ter Wal­dorf­se­mi­nar. Als Toch­ter einer musi­ka­li­schen Fami­lie hat­te sie in der Hei­mat bereits mit acht Jah­ren Kla­vier­un­ter­richt und wur­de 14-jäh­rig Mit­glied des Cho­res am Staat­li­chen Kon­ser­va­to­ri­um von Cam­pi­na. Im anschlie­ßen­den Stu­di­um beleg­te sie Kla­vier, Gesang und Vio­lon­cel­lo. Neben ihrer Tätig­keit als Musik­leh­re­rin am Les­sing-Gym­na­si­um und an der Man­fred-Ehrin­ger-Grund­schu­le in Stutt­gart Bad Cannstatt lei­tet Mar­ques den 2006 von ihr gegrün­de­ten Chor «Encan­to». «Anlass war ein Kon­zert des bra­si­lia­ni­schen Cho­res ‹Expresso25› aus Por­to Aleg­re in Stutt­gart», erzählt sie. «Ich diri­gier­te damals den jun­gen Chor ‹Sound of Bot­nang› und habe das Kon­zert in der Sing­hal­le des Ver­eins zusam­men mit Johan­nes Kär­cher von der Deutsch-Bra­si­lia­ni­schen Gesell­schaft orga­ni­siert. Dort traf ich auf eini­ge Leu­te, die ger­ne zusam­men bra­si­lia­ni­sche Musik sin­gen woll­ten. Ein paar Wochen spä­ter haben wir uns getrof­fen – und der Chor war ent­stan­den!» Kär­cher, der­zeit Hono­rar-Kon­sul für Bra­si­li­en in Stutt­gart, sang selbst über zehn Jah­re lang mit und unter­stützt den Chor bis heu­te finan­zi­ell, wie Mar­ques dank­bar betont.

Die Welt vereint im Chor

Bei den aktu­ell rund 30 Sänger:innen sind ver­schie­de­ne Natio­na­li­tä­ten ver­eint: Neben Brasilianer:innen fin­den sich Sänger:innen aus Deutsch­land, Ita­li­en, Frank­reich, Japan und Alge­ri­en. «Man muss beden­ken: Vie­le Bra­si­lia­ner haben euro­päi­sche Wur­zeln», erläu­tert Mar­ques. «Wir haben eini­ge Deutsch-Bra­si­lia­ner im Chor. Uns alle ver­bin­den die Chor­kul­tur und natür­lich die Musik.» Gesun­gen wer­den aus­schließ­lich Tex­te mit bra­si­lia­ni­schem Por­tu­gie­sisch. «Es gab schon Mit­sän­ger, die kein Wort Por­tu­gie­sisch konn­ten. Dann habe ich die Pro­be eben auf Deutsch gehal­ten», erzählt die Chor­lei­te­rin. «Der Chor ist offen für jeder­man­n/-frau, der/die min­des­tens ansatz­wei­se die por­tu­gie­si­sche Spra­che beherrscht, die bra­si­lia­ni­sche Musik gern im Chor sin­gen und nicht zuletzt ein­mal in der Woche bra­si­lia­ni­sche Atmo­sphä­re in net­ter Gesell­schaft erle­ben möch­te.»

«Die bewe­gen­den Rhyth­men der Musik über­tra­gen sich leicht auf die Zuhö­rer und schaf­fen musi­ka­li­sche Brü­cken zwi­schen Büh­ne und Par­kett!»

Vielseitiges Repertoire mit Schwung

Das Reper­toire besteht aus bra­si­lia­ni­scher Musik von Folk­lo­re bis zum Jazz und Bos­sa Nova. «Wir ver­su­chen, die gan­ze Viel­falt von Rhyth­men und Melo­dien aus den ver­schie­de­nen Regio­nen Bra­si­li­ens sowie aus unter­schied­li­chen Epo­chen in unse­ren Pro­gram­men dar­zu­stel­len», so Mar­ques. «Es fehlt aber auch nicht an bekann­ten Melo­dien, die hier­zu­lan­de jeder mit Bra­si­li­en ver­bin­det, wie ‹Girl from Ipan­e­ma› oder ‹Mas que Nada›. Und vor zwei Jah­ren hat­ten wir ein Pro­gramm allein mit Lie­dern von Tom Jobim zusam­men­ge­stellt. Das war ein Rie­sen­er­folg!»

Rhythmus und Musik verbinden Chor und Publikum

Cris­ti­na Mar­ques beherrscht übri­gens nicht nur das Kla­vier­spiel, son­dern auch das auf der Gitar­re, sodass sie bei­de Instru­men­te abwech­selnd zur musi­ka­li­schen Beglei­tung des Chors ein­set­zen kann. Auf­rit­te hat­te das Ensem­ble schon sehr vie­le. In Stutt­gart war es etwa im Sil­cher-Saal der Lie­der­hal­le, im Feu­er­wehr­haus Süd und in vie­len Kir­chen zu hören. «Eine ech­te Tra­di­ti­on sind mitt­ler­wei­le unse­re Weih­nachts­kon­zer­te in der Schloss­kir­che gewor­den», erzählt Mar­ques. «Wir haben aber auch schon in Ber­lin, Mün­chen, Frei­burg, Köln, Tübin­gen und Mar­burg kon­zer­tiert, meis­tens im Zusam­men­hang mit ‹Cant­ares›, dem Tref­fen der bra­si­lia­ni­schen Chö­re in Deutsch­land.» Zwi­schen deren Chorleiter:innen bestehe übri­gens ein reger Aus­tausch. «Ein direk­ter Kon­takt nach Bra­si­li­en besteht dar­in, dass ich vie­le Arran­ge­ments, die wir sin­gen, durch ver­schie­de­ne Kon­tak­te von dort bekom­me. Außer­dem orga­ni­sie­ren wir Work­shops mit Musi­kern aus Bra­si­li­en wie Pablo Trinda­de, Patri­cia Cos­ta oder Jean Kleeb.» Und auch wenn im Publi­kum nicht alle die Spra­che ver­ste­hen: «Die bewe­gen­den Rhyth­men der Musik über­tra­gen sich leicht auf die Zuhö­rer und schaf­fen musi­ka­li­sche Brü­cken zwi­schen Büh­ne und Par­kett!»

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen
 
Chor­na­me: Encan­to
Regi­on: Stutt­gart
Chor­lei­tung: Cris­ti­na Mar­ques
Gesun­ge­ne Spra­che: Por­tu­gie­sisch
Mit­glie­der: rund 30 Sänger:innen
Pro­ben: Mon­tags von 19.30 bis 21.30 Uhr in der St. Kon­rad Kir­che, Staf­f­len­berg­str. 52, 70184 Stutt­gart
Nächs­te Auf­füh­run­gen: Jubi­lä­ums­kon­zert, 14. Novem­ber 2026, 19.30 Uhr, im Alten Feu­er­wehr­haus Süd in Stutt­gart
Web­site: www.chor-encanto.de

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Sabine Näher

Sabine Näher lebt und arbeitet als freie Kulturjournalistin für Hörfunk und Print in Leipzig und Oberbayern. Sie hat Bücher zum Schubert- und Schumann-Lied sowie zum 800. Geburtstag des Thomanerchors veröffentlicht.

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