Neue Chornoten für die Weihnachtszeit – und darüber hinaus
Für jazzbegeisterte Chöre mit fähigen Pianist:innen – Chorarrangements von Will Todd

Will Todd
A JAZZ CHRISTMAS. NINE WELL-KNOWN CAROLS WITH A JAZZ TWIST
ISMN 979–0‑06015332–7
92 Seiten • 14,50 Euro
Boosey & Hawkes
In dieser Sammlung sind neun Arrangements von bekannten britischen Weihnachtsklassikern versammelt, denen der Arrangeur Will Todd eine jazzige Neuausrichtung verpasst hat. Spätestens seit der Aufführung seiner Version von «Amazing Grace» bei der Amtseinführung von Barack Obama und seiner «Mass in Blue» gilt Todd als Meister genreübergreifender Chormusik, und so muss man über die Qualität der Arrangements, sämtlich geschrieben für den Chor von St. Martin in the Fields, keine Worte verlieren. Grundsätzlich halten sich die Stücke an die SATB-Einteilung mit gelegentlichen Divisi und einigen Soli und benötigen für die Begleitung mindestens einen Pianisten, besser ein Jazztrio mit zusätzlich Drums und Bass. Für sechs der Stücke ist auch ein fünfstimmiges Blechbläser-Arrangement zusätzlich verfügbar. Stilistisch findet sich eine große Variation: So wird «God Rest You Merry, Gentlemen» zu einer schnellen Swing-Nummer, «In the Bleak Midwinter» zeigt sich als verträumte Jazz-Ballade und «Once in Royal David’s City» basiert auf flirrenden Linien des Klaviers, über die sich weite Strecken eine Unisono-Melodie ziehen. Für alle Stücke gilt, dass ein Großteil des jazzigen Feelings auf den Fähigkeiten der Person am Klavier und der Band ruht, während die Schwierigkeit und der Ambitus der Chorstimmen sich eigentlich nie über ein mittleres Niveau hinausbewegen. Sehr fähige Jazz-Pianist:innen sind also für eine gelungene Aufführung unabdingbar. Wer sich selbst einen Eindruck verschaffen möchte: Will Todd hat einen YouTube-Kanal, auf dem fast alle Stücke in seinem «Advent Calendar 2022» zu hören sind.
Martin Seiler ist Sänger und Arrangeur der A‑cappella-Gruppe Cash-n-go, leitet das A‑cappella-Ensemble magpie alley sowie den Popchor Greg is Back, betreibt ein Tonstudio und arbeitet als Coach.
Gustav Holsts Chorfantasie über Weihnachtslieder – mit Orgel, Streichern oder Orchester

Gustav Holst
CHRISTMAS DAY. CHORAL FANTASY ON OLD CAROLS H 109
ISMN 979–0‑007–35517‑3
44 Seiten • 28 Euro
Carus
Der Komponist Gustav Holst, für sein Werk «The Planets» weit über den Kreis von Musiker:innen hinaus bekannt, widmete sich auch pädagogischen Tätigkeiten, unter anderem ab 1907 als Musikdirektor am Morley College. Die Bildungseinrichtung richtete sich an Erwachsene. Die damals als Amateure bezeichneten Student:innen besaßen ein solides Niveau, Ihnen widmete Holst die «Choral Fantasy on Old Carols».
Die Fantasie über traditionelle englische Weihnachtslieder wie «Good Christian men, rejoice» und «Come, ye loftly, come, ye lowly» für Soli, Chor, Orchester oder Orgel beziehungsweise Klavier liegt nun erstmalig in einer, von Howard Arman edierten, kritischen Urtext-Edition vor. Neben einem Vorwort, das für eine Aufführung kompakt historische und aufführungspraktische Inhalte vermittelt, bietet der Kritische Bericht eine gut nachvollziehbare Berücksichtigung der verwendeten Quellen. So bezieht sich Arman auf die autografe Partitur als Haupttext, die allerdings nur teilweise von Holst niedergeschrieben wurde. Etwaige Unstimmigkeiten hat der Herausgeber mit weiteren Quellen abgeglichen oder sie mit ihrer Hilfe korrigiert, wie etwa mit der Partiturabschrift, dem Orchestermaterial, dem Klavierauszug und der Chorpartitur von 1910. Ebenfalls in dieser Edition berücksichtigt wurden Holsts Anweisungen für kleinere Besetzungen, die hier durch Kleinstich gekennzeichnet sind. Solche dezent eingebrachten editorischen Zusätze sind vom klaren Notenbild dieser Ausgabe gut zu unterscheiden.
Christina Schnauß ist Musikwissenschaftlerin und Musikvermittlerin. Neben einer Lehrtätigkeit schreibt sie für mehrere Fachmagazine und ist als Autorin von Booklet- und Programmhefttexten für verschiedene Orchester tätig.
Wie die Feiertage fallen: dreistimmige Kirchenmusik für die erste Jahreshälfte

Jutta Michel-Becher (Hrsg.)
PRAISE HIM!
ISMN 979–0‑001–22299‑0
76 Seiten • 14,50 Euro
Schott Music
«Praise Him!» aus der Reihe VocaTre ist ein pragmatisch konzipiertes Chorbuch, das genau dort ansetzt, wo viele kleine bis mittlere Kirchenchöre ihren größten Bedarf haben: im liturgischen Alltag der ersten Jahreshälfte zwischen Neujahr und Fronleichnam. Herausgeberin Jutta Michel‑Becher hat geistliche Lieder und Gospels für die Besetzung Sopran, Alt und Bass sowie Klavier in einem bewusst leicht bis mittelschwer gehaltenen Schwierigkeitsgrad gebündelt und das Heft damit zu einem sehr alltagstauglichen Werkzeug gemacht. Stilistisch bewegt sich die auf Deutsch und Englisch konzipierte Sammlung zwischen klassisch geprägtem geistlichem Lied und moderat angejazztem Gospel‑Idiom. Die Arrangements lassen sich ebenso gut mit Klavier wie – mit wenigen Anpassungen – mit Orgel realisieren.
Der thematische Bogen reicht von Lob- und Dankliedern über Passions‑ und Osterrepertoire bis hin zu Stücken für Himmelfahrt, Pfingsten, Marienfeste und Fronleichnam. Damit deckt der Band jene liturgisch dichte Zeit ab, in der Anspruch und Möglichkeiten oft weit auseinanderklaffen: hohe Feiertagsdichte, aber begrenzte Probenkapazitäten. Die klar strukturierten, gut singbaren Sätze sind auch nach wenigen Proben schon aufführbar. Der Band zielt erkennbar nicht auf spektakuläre Einzelnummern, sondern auf Repertoire, das über ein halbes Jahr hinweg tragfähig bleibt und sich flexibel kombinieren lässt – etwa in thematischen Andachten, ökumenischen Vespern oder klein besetzten Gottesdiensten.
Besonders überzeugend ist die pastorale Funktionalität des Bandes: Aus der Sammlung lässt sich leicht eine komplette musikalische Erzählung der Heilsgeschichte von Passion über Ostern bis Pfingsten bauen, ergänzt um Stücke, die die Grundhaltungen Glaube, Liebe, Hoffnung sowie Themen wie Vertrauen und Frieden akzentuieren. Für die Jahresplanung eines Gemeindechores bedeutet das: Mit einem einzigen Band lässt sich ein durchgehender roter Faden über mehrere Monate ziehen, ohne ständig zwischen unterschiedlichen Publikationen wechseln zu müssen.
Guido Krawinkel ist begeisterter Chorsänger, freier Musikjournalist und Autor unter anderem für die Bremer Philharmoniker, Jenaer Philharmonie, Backstage Classical, Württembergische Philharmonie, Rheingau Musikfestival sowie Oper! und Die Deutsche Bühne. Er hält es mit Loriot: Ein Leben ohne Chor ist möglich, aber sinnlos.