Warum nicht mal ein Stück schreiben lassen?

Autor:in

Tristan Meister

Ausgabe

N° 111 | Januar 2024

Zu den Kern­auf­ga­ben von Chorleiter:innen gehört eine aus­ge­wo­ge­ne und attrak­ti­ve Pro­gramm­pla­nung, die die Chor­mit­glie­der for­dert, aber nicht über­for­dert und idea­ler­wei­se viel­leicht auch noch Interessent:innen anlockt. So ste­hen wir also regel­mä­ßig vor der Auf­ga­be, Lite­ra­tur zu sich­ten, und nicht sel­ten tun wir uns ver­gleichs­wei­se schwer damit, weil nichts wirk­lich zum Ensem­ble oder zur the­ma­ti­schen Vor­ga­be pas­sen mag. Auf die Idee, einen Kom­po­si­ti­ons­auf­trag zu ver­ge­ben, kom­men trotz­dem nur weni­ge Kolleg:innen – dabei ist das doch viel­leicht die ein­fachs­te Mög­lich­keit, Lite­ra­tur zu pro­gram­mie­ren, die genau die Anfor­de­run­gen an den Chor stellt, die er auch erfül­len kann. Bes­ten­falls schafft es ein Auf­trags­werk sogar, die indi­vi­du­el­len Stär­ken des Ensem­bles her­vor­zu­he­ben und sich naht­los in das Gesamt­kon­zept eines Pro­gramms ein­zu­fü­gen.

Komponist:innen gehö­ren zu den gro­ßen Ver­lie­rern der Coro­na­kri­se, weil die Ver­la­ge auf­grund der ein­ge­bro­che­nen Absatz­zah­len zunächst alle neu­en, inves­ti­ti­ons­in­ten­si­ven Pro­jek­te auf Eis legen muss­ten. Und auch aktu­ell wer­den Neu­erschei­nun­gen, bei denen ein finan­zi­el­ler Erfolg nicht garan­tiert ist, eher defen­siv geplant. Des­halb ist es jetzt an der Zeit, gezielt neue Wer­ke in Auf­trag zu geben, um einer­seits die – übri­gens erfreu­lich wach­sen­de, ver­gleichs­wei­se jun­ge – Komponist:innenriege zu unter­stüt­zen und zudem aktiv zur Berei­che­rung des chor­mu­si­ka­li­schen Reper­toires bei­zu­tra­gen. Dafür lohnt es sich, Geld in die Hand zu neh­men. Dabei soll­ten gera­de inno­va­ti­ve Kon­zep­te, bei denen an die Situa­ti­on ange­pass­te Neu­kom­po­si­tio­nen nötig sind, bei den aktu­ell auf­ge­leg­ten För­der­pro­gram­men gute Chan­cen haben. Wenn wir also die musi­ka­li­sche Hand­schrift eines zeit­ge­nös­si­schen Kom­po­nis­ten schät­zen, soll­ten wir uns nicht scheu­en, ein­fach mal den Kon­takt zu suchen, um unse­re Idee vor­zu­stel­len und die Rah­men­be­din­gun­gen unkom­pli­ziert abzu­ste­cken.

Am Ende sind wir selbst ver­ant­wort­lich dafür, dass unser Reper­toire bunt und abwechs­lungs­reich bleibt und wir den tra­di­tio­nel­len Lite­ra­tur­ka­non stets wei­ter ergän­zen. Aber es liegt auch in unse­rer Ver­ant­wor­tung, dass eine gan­ze Bran­che attrak­tiv und loh­nens­wert bleibt. Las­sen Sie sich also mal ein Stück schrei­ben – unse­re bes­tens aus­ge­bil­de­ten Komponist:innen und letzt­lich die gan­ze Chor­mu­sik­welt wer­den es Ihnen dan­ken!

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Tristan Meister

Tristan Meister ist Dirigent mehrerer Chöre und Ensembles. Zudem ist er als Dozent tätig und Juror bei Wettbewerben wie dem Deutschen Chorwettbewerb.

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