Das EMIK: ein reicher Schatz estnischer Musikkultur

Autor:in

Liis Kolle

Das Est­ni­sche Musik-Infor­ma­ti­ons­zen­trum (die est­ni­sche Abkür­zung lau­tet EMIK, die eng­li­sche EMIC) besteht seit 1995. Die Lei­tung über­nahm Ende 2024 Saa­le Kare­da. Die Musik­wis­sen­schaft­le­rin war unter ande­rem in Wien als musik­wis­sen­schaft­li­che Bera­te­rin bei der Uni­ver­sal Edi­ti­on sowie als Kul­tur­re­fe­ren­tin an der est­ni­schen Bot­schaft tätig. Sie möch­te mit ihrer Arbeit den immensen Schatz an gesam­mel­ten und sys­te­ma­ti­sier­ten Daten zur est­ni­schen Musik­land­schaft noch zugäng­li­cher machen.

Die Arbeit des EMIK: Datenbanken, Noten, Informationen

Mit sei­nen detail­lier­ten und gut struk­tu­rier­ten Daten­ban­ken zählt das EMIK zu den welt­weit wich­tigs­ten Ein­rich­tun­gen zum bal­ti­schen Musik­le­ben. Als Fens­ter in die viel­fäl­ti­ge est­ni­sche Musik­welt dient die Web­site des Zen­trums, die 2024 fast acht Mil­lio­nen Mal besucht wur­de. Alle wich­ti­gen Funk­tio­nen und Infor­ma­tio­nen sind sowohl auf Est­nisch als auch auf Eng­lisch ver­füg­bar. Aktu­ell ent­hält die EMIK-Daten­bank Infor­ma­tio­nen zu 255 Komponist:innen, 377 Interpret:innen und Ensem­bles, 25 Musikwissenschaftler:innen sowie 33.333 Wer­ken. 250.000 Manu­skript­sei­ten wur­den bis­her digi­ta­li­siert. Künf­tig soll die Web­site noch inter­ak­ti­ver wer­den und sowohl popu­lä­re als auch weni­ger bekann­te Wer­ke in kura­tier­ter Form prä­sen­tie­ren.

Neben der Infor­ma­ti­ons­ar­beit enga­giert sich das Zen­trum auch in der Bil­dung und der Ver­mitt­lung musi­ka­li­scher Wer­te. Bereits unter der lang­jäh­ri­gen Lei­tung von Saa­le Kare­das Vor­gän­ge­rin Evi Aru­järv ver­öf­fent­lich­te das EMIK Noten von Wer­ken est­ni­scher Komponist:innen und brach­te Bücher, Ton­trä­ger und Infor­ma­ti­ons­ma­te­ri­al her­aus. Das Zen­trum ist regel­mä­ßig auf inter­na­tio­na­len Mes­sen zu Gast sowie auf den Jah­res­kon­fe­ren­zen des inter­na­tio­na­len Ver­bands der Musik-Infor­ma­ti­ons­zen­tren IAMIC.

Strahlkräftige Musik aus Estland

Eini­ge Wer­ke der est­ni­schen Chor­mu­sik sind bereits inter­na­tio­nal bekannt, etwa die tief aus dem fin­nou­gri­schen Erbe schöp­fen­den Kom­po­si­tio­nen von Vel­jo Tor­mis oder die «Psal­men Davids» von Cyril­lus Kreek, des­sen geist­li­che Volks­lie­der eben­falls wert sind, öfter auf­ge­führt zu wer­den. Das über­wie­gend in Deutsch­land ent­stan­de­ne Ora­to­ri­um «Jona» von Rudolf Tobi­as, das 1909 in Ber­lin in deut­scher Spra­che urauf­ge­führt wur­de und den­noch als das ers­te est­ni­sche Ora­to­ri­um gilt, ver­schaff­te dem Kom­po­nis­ten eine Stel­le an der König­li­chen Hoch­schu­le für Musik in Ber­lin. Eine neue quel­len­kri­ti­sche Edi­ti­on mit Auf­füh­rungs­ma­te­ri­al, Par­ti­tur und Kla­vier­aus­zug ist gera­de auf Deutsch und Est­nisch beim EMIK erschie­nen.

Mariliis Valkonen im Gespräch

Die meis­ten Noten ver­kauft das EMIK in die USA, gefolgt von Deutsch­land, den Nie­der­lan­den, Finn­land, dem Ver­ei­nig­ten König­reich, Schwe­den, Kana­da und Frank­reich. Aber auch in Japan gibt es gro­ßes Inter­es­se an Wer­ken est­ni­scher Komponist:innen. Die Redak­teu­rin Mari­li­is Val­ko­nen, die seit über 20 Jah­ren im Zen­trum tätig ist, ist Ansprech­part­ne­rin bei Fra­gen zur Nut­zung der EMIK-Daten­bank.

Wie kann ein deut­scher Chor gezielt est­ni­sche Musik für sein Reper­toire fin­den?

Der ein­fachs­te Weg führt über den Music Store auf unse­rer Web­site: Wäh­len Sie dort den Sheet Music Cata­lo­gue und anschlie­ßend Ihre Beset­zung. So lässt sich die Suche auf A‑cap­pel­la-Wer­ke, Stü­cke mit Instru­men­tal­be­glei­tung oder Orches­ter­wer­ke ein­gren­zen. Wer bereits eine:n Komponist:en im Blick hat, kann die Ergeb­nis­se nach Namen fil­tern. Andern­falls ein­fach auf «Search» kli­cken und die viel­fäl­ti­ge est­ni­sche Chor­mu­sik ent­de­cken. In der Ergeb­nis­lis­te las­sen sich sowohl Noten­bei­spie­le als auch Audio­da­tei­en öff­nen. Die Noten kön­nen direkt erwor­ben wer­den, auch in digi­ta­ler Form. Für per­sön­li­che Emp­feh­lun­gen steht das Team jeder­zeit per E‑Mail zur Ver­fü­gung.

Übri­gens: Die Suche über den Music Store zeigt nur Wer­ke, deren Noten sofort erhält­lich sind. Eine wei­te­re Mög­lich­keit bie­tet die all­ge­mei­ne Werk­su­che («Search works») im Sei­ten­kopf, die das gesam­te Reper­toire est­ni­scher Chor­mu­sik abdeckt. Allein A‑cap­pel­la-Chor­wer­ke umfas­sen über 9.000 Ein­trä­ge. Ein Klick auf den Werk­ti­tel führt zu detail­lier­ten Infor­ma­tio­nen zu den Komponist:innen, den Ver­la­gen oder den Stand­or­ten der Manu­skrip­te.

Die Redakteurin Mariliis Valkonen vom Estnischen Musikinformationszentrum EMIK
Die est­ni­sche Musik welt­weit bekann­ter zu machen, ist uns ein zen­tra­les Anlie­gen.

Ist das EMIK der sinn­volls­te Weg für deut­sche Chö­re, est­ni­sche Noten zu erhal­ten?

Da das EMIK der größ­te Anbie­ter von est­ni­schen Noten ist und kei­nen Ver­trieb in Deutsch­land hat, ist dies in der Tat der effek­tivs­te Weg. Der Ser­vice ist schnell und unkom­pli­ziert, die Noten wer­den ver­kauft, nicht ver­mie­tet. Han­delt es sich um Noten­aus­ga­ben ande­rer Ver­la­ge – etwa Noten der Wer­ke Arvo Pärts (Uni­ver­sal Edi­ti­on, Öster­reich) oder Vel­jo Tor­mis’ (Fen­ni­ca Gehr­man, Finn­land) –, emp­fiehlt sich der direk­te Kon­takt zu die­sen Ver­la­gen. Das EMIK unter­stützt gern bei der Kon­takt­ver­mitt­lung. Die est­ni­sche Musik welt­weit bekann­ter zu machen, ist uns ein zen­tra­les Anlie­gen.

Wie blei­ben deut­sche Chö­re über neue est­ni­sche Wer­ke infor­miert?

Die Rubrik «New works» auf der Web­site infor­miert über alle Urauf­füh­run­gen des lau­fen­den Jah­res, begin­nend mit den aktu­el­len Pre­mie­ren. Für Chorleiter:innen, die gezielt nach Wer­ken eines bestimm­ten Jah­res suchen, bie­tet die all­ge­mei­ne Suche («Search works») nütz­li­che Fil­ter­mög­lich­kei­ten wie bei­spiels­wei­se nach Art des Chors und Jahr der Ver­öf­fent­li­chung. Auch älte­re est­ni­sche Chor­mu­sik lohnt sich, ent­deckt zu wer­den. Wer­ke von Mart Saar und Cyril­lus Kreek sind inter­na­tio­nal gefragt. Ein Teil der Wer­ke ist ver­legt, ein Teil nicht – das EMIK hilft gern bei der Beschaf­fung und ver­mit­telt den Zugang zu allen Mate­ria­li­en.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen

• Zur Web­site des EMIK geht es hier.
• Die all­ge­mei­ne Werk­su­che auf der EMIK-Web­site fin­det sich hier.
• Die Noten­su­che über den «Music Store» ist hier mög­lich.
• Bei Fra­gen ist das Team des EMIK per E‑Mail erreich­bar: emic@emic.ee

Zur Per­son

Mari­li­is Val­ko­nen ist eine est­ni­sche Kom­po­nis­tin, aus­ge­bil­det am Georg Ots Tal­linn Music Col­lege sowie an der Est­ni­schen Aka­de­mie für Musik und Thea­ter, wo sie bei Eino Tam­berg und Hele­na Tul­ve stu­dier­te. Seit 2005 ist sie Mit­glied der Est­ni­schen Kom­po­nis­ten­ver­ei­ni­gung. Ihre Wer­ke wur­den von renom­mier­ten Ensem­bles und Orches­tern auf­ge­führt und bei Fes­ti­vals und Wett­be­wer­ben aus­ge­zeich­net. Neben ihrer kom­po­si­to­ri­schen Tätig­keit arbei­tet sie als Seni­or Edi­tor am Est­ni­schen Musik-Infor­ma­ti­ons­zen­trum (EMIK).

Portrait von Liis Kolle

Autor:in

Liis Kolle

Liis Kolle studierte Theater- und Literaturwissenschaften in Tartu und Musiktheater-Regie an der Hochschule für Musik «Hanns Eisler» Berlin. Sie inszenierte unter anderem am Staatstheater Tartu, an der Estnischen Nationaloper und am Theater Altenburg Gera und arbeitet seit 2007 als Dozentin für szenischen Unterricht an der Estnischen Akademie für Musik und Theater Tallinn.

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