«Jonas» – der Chor des Bayerischen Rundfunks singt geistliche Musik
Der Chor des Bayerischen Rundfunks repräsentiert heute Bayerns professionellen Chorgesang wie seinerzeit Orlando di Lassos Herzogliche Kapelle. Wer sonst sollte also jene Stücke singen, die Anfang und Ende von Lassos Münchner Zeit markieren? Fast vierzig Jahre liegen zwischen dem chromatisch und geistig entrückten Stil der «Prophetiae Sibyllarum» und den Madrigalen der «Lagrime di San Pietro». Eine aparte Rundung erfährt das Programm durch Monteverdis berühmtes «Lamento d’Arianna» in der seltener gehörten Madrigalfassung.
Meister des oratorio latino: Giacomo Carissimi
Giacomo Carissimi war als jesuitischer Priester nicht nur bestens im Bilde, sondern vollblütiger Eiferer für Katholisches als Kapellmeister an Sant’Apollinare in Rom. Im Glauben und Handeln streng, herrscht in seinen Werken doch große Freiheit. Er dachte an sein Publikum, in diesem Fall Angehörige der, vor allem in der Fastenzeit, unterhaltungsbedürftigen römischen Oberschicht. Für sie schrieb er moralisch aufbauende, reizvolle Motetten-Oratorien. Dem einfachen, frei nachgedichteten Latein konnte man seinerzeit gut folgen; der lebendige Rezitativstil trägt dazu bei. So begründete Carissimi ein erfolgreiches Genre, das Sakrales dramatisiert.

Bühne frei für den Chor: das Oratorium «Jonas»
Carissimis «Jonas»-Oratorium erzählt vor allem vom Beginn der Reise. Es wird rasant, bunt, emotional. Das Ausmusizieren des Meeressturms wird endlich einmal dem (Doppel-)Chor überlassen; in anderen Vertonungen dürfen sich hier meist die Instrumente austoben. Der BR-Chor, aus dem auch die Soli bestritten werden, macht das vorzüglich und stilecht. So lässt der Chor, tatkräftig an die Hand genommen von Giovanni Antonini und seinem Kammerorchester Il Giardino Armonico, vergessen, dass er sich auch bei Mahler wohlfühlt.